Ich bin unentschlossen, wenn ich über die Frage sinniere, ob ich diese Kugel zu gegebener Stunde als Philanthropin oder doch eher als Misanthropin verlassen werde. Vermutlich - wird es sich nicht ganz klären lassen bis dahin und bleibt äußerst wechselhaft. Heute tendierte ich eher zu misan .... und freute mich dafür umso mehr über die wenigen Tiere, die sich offenbarten und über die erstaunlich kraftvollen Pflanzen, die sich immer noch ihre Wege in die degenerierte Welt der Menschen bahnen. Aber wer weiß - vielleicht sind die oft auch schon eher misan und enttäuscht, weil sie gnadenlos ausgerottet werden - und halt einfach wie eh und je nach der Sonne ausgerichtet, wenn sie sich hartnäckig und unerschüttert ihre Wege durch die spärlichen Ritzen im Asphalt bahnen, die ihnen bleiben?
Die Malven blühen wieder zu meiner wiederholten Freude - manchmal schießen sie locker über zwei Meter hoch. Ungebeten - und einfach so, weil sie halt Schönheit verbreiten, wo sie sind. Daß sie es sind, die unter dem kargen Namen "Stockrosen" geführt werden, habe ich erst in diesem Sommer registriert. Paradiesblumen und Wunderwesen ja .... aber doch nicht "Stockrosen".
Heute also eher misantrophisch drauf und sehr wortkarg auf meinem rollenden Arbeitsplatz (Wechseljahres-PMS). Viele Fahrgäste - zum Glück auch eher sparsam an Worten. Einer versucht es dann doch, nicht lange nach einer anderen, die mir heute auch schon ein wenig grenzwertig daherkam. Beides Einheimische. Kölsche. Sooo lustig - daß sie es auf keinen Fall alleine sein wollten und auch kein Schweigen aushielten. Während ich die Dame durchaus noch locker "abliefere" - immerhin habe ich auf ihr Erscheinen fast eineinhalb Stunden warten dürfen. Dennoch nervt sie mich leicht ob des Smalltalks, der mich nicht die Bohne interessiert .... Kategorie "Wird eh unaufhaltsam weiterreden ...."
Während dieser Wartezeit - kommt ein Kollege ans Auto, der im Grunde wirklich symphatisch ist, echt. Dennoch - habe ich auch mit ihm nicht viel zu erzählen. Er kam, weil ihm so langweilig war alleine. Sagt er mir. Ich aber - bin schon solange nicht mehr für Menschen da, denen langweilig ist. Ich tauche in meine ureigene, tiefste Langeweile ein .... um vielleicht sogar noch einmal hindurchzutauchen, wer weiß. Doch solange sie dauert, bringt sie mir auch was bei.
Der nächste Kandidat, dem langweilig ist, ist ein großer Mann mit großem, kahlen und eierköpfigen Schädel. "Juuuuten Tach!!!"" (Tätätä ....). An dieser Stelle antworte ich noch - mit höflichem, ebensolchem Wunsch. "Vorsicht!" ruft der - völlig unnötig - ein Radfahrer kommt mir beim Anfahren in der sehr belebten Strasse entgegen, den ich schon lange im Auge habe. Ich denke bei mir "Hallo? Wat is dat denn für ne Nummer ... Generalfeldmarschall oder wat?"
"Wohin fahren wir?" - frage ich sachlich.
"In die Dingensstrasse - über soundso und dingens und dann hier und da und dann .... "
"Jut." (Kenn ich, seine kleine Strasse, ganz gute Fahrt an einem Samstag ....)
"Hachja, dat es e komisch Wedder ...."
Und so weiter und so fort.
Ich habe die Klima an, ziemlich hoch, da mir im Stand einfach die Schwüle in die Kiste kommt.
Nachdem seine Lustigkeit keine Resonanz bei mir hervorruft, fängt er davon an, daß er die Klima ja nicht mehr vertragen kann. Ich sage ihm, er soll doch bitte die Rädchen vom Gebläse auf seiner Seite zudrehen. Drehe insgesamt noch ein wenig runter, wegen Erkältungsgefahr auf seiner Seite. Kenn ich ja selbst, muß man schon aufpassen.
Ob ich schlechte Laune hätte?
Nein.
Ob ich was gegen ihn habe?
Jetzt - ist es ganz aus bei mir ....
Denk doch mal nach -
über deine Grenzüberschreitungen.
Denk mal drüber nach - wem du sonst noch auf die Schnelle
so viel "Persönliches" zumuten willst, wie den Taxi-Menschen ....
selbst deine Stammwirtin und deine Domina wollen das nicht hören -
und bei denen läßt weit du mehr Geld.
Wenn du bei uns ankommst -
fängst du wieder an zu verhandeln
oder hast keines mehr und prellst die,
die am Ende dieser Kette sitzen.
Und für die paar Kröten erwartest Du auch noch Lang- und Demut?
von dieser Zunft - die du eh für blöde hältst
und über die soviele lustige Witze gemacht werden,
weil wir ja angeblich alle zu doof sind - für alles Mögliche ...
und doch brüstet du dich regelmäßig damit,
daß du ja neulich mit diesem Taxifahrer gesprochen hast .....
welch eine Größe,
sich derart herabzulassen.
"Mensch, jetzt haste aber einen Scheiß-Fahrgast erwischt ..."
kommt als nächste Provokation, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Bei mir schlägt das weiter in die komplette Gegenrichtung:
Ich rede ums Verrecken nicht mehr - kein Wort.
Hier gucke ich noch einmal geradewegs rüber und sage
"Was bitte genau soll ich jetzt darauf antworten?"
Er könne ja auch gerne ein anderes Taxi nehmen, sagt er - und ich denke "Ja. Durchaus. Vielleicht eine gute Idee... " Aus meinem Mund höe ich nur "SIE reden doch die ganze Zeit solches Zeug - ich sag doch gar nichts!"
Schweigen.
Sehr eng in der Limousine ...
Meine Übung, wie immer: Nicht anzapfen lassen energetisch.
Ich merke, daß sie mir immer widerlicher werden -
diese Menschen, die mir so plump vertraulich kommen.
Besonders diese Typen, die erst plump vertraulich daherkommen -
und mich dann "abstrafen" wollen, wenn sie auf Granit beißen.
Noch zwei, drei weitere Versuche kommen auf dem Weg."
"Erzählen Sie doch mal einen Schwank aus Ihrer Vergangenheit."
"Nein. Das möchte ich jetzt nicht."
Jetzt wird der große eierköpfige Mann beleidigend und meint, sowas Beklopptes wie mich hätte er ja noch nie erlebt. Mein Schweigen ist mittlerweile eisern - und ich überlege kurz, ob ich ihn hierauf raussetzte und ggf. auf mein Salär verzichte, denn es wird dann garantiert eine lautstarke Szene geben. Drama baby drama- oder kühle Nerven? Letzteres ....
Zweiter Versuch: "Was ist denn das hier für eine Taxi-Nummer, aha, die soundso, das werde ich mir merken. Sie werden noch von mir hören! Und zwar geich - ich werde gleich anrufen ...." bei der Zentrale, meint er, um sich über meine Person zu beschweren. Ich denke "Du kannst mich mal - oder besser: Eben nicht!" und überlege noch eine Millisekunde, ob ich ihm noch meinem Nachnamen sage, damit er diesen in seine "Beschwerde" (?!?!) über mich einfliessen lassen kann ....bzw. rhetorisch einfliessen lasse, damit er begreift, wie lächerlich das ist.
Solch eine "Drohung" habe ich schon viele Monde nicht mehr gehört. In den ersten Jahren öfter- besonders, als wir noch einen Ausweis mit Namen und Bild ans Armaturenbrett pappen mußten - weil angeblich ein Kollege mal übergriffig geworden sei. Damals habe ich mich gefragt, wo denn die Beschwerdestelle ist, die meine Beschwerden über Kundschaft entgegennimmt, die sich nicht benimmt und übergriffig wird?
Ein Italiener hat sogar mal behauptet, ich hätte ihn nicht zum Flughafen fahren wollen. Er hatte soviel Gepäck dabei, daß es nicht einmal in meinen damaligen Kombi passte und er einfach ein Großraum-Taxi bestellen mußte für seinen Prüll ... was für eine alberne Beschwerde! Jede(r) von uns fährt doch sehr gerne mal eben zum Aeropuerto hinaus.
Jedenfalls entscheide ich mich, auch auf diese Provokotionen des Haarlosen neben mir nicht anzuspringen.
Siehe oben. Es langweilt mich - und ich bin es müde geworden, mich zu erklären oder herumzuzanken mit denen, die nach Aufmerksamkeit gieren und nicht einmal während 10 oder 15 Minuten mit sich sein können.
Ich biete Fahrdienste an - Kabarettt und Unterhaltung kostet mehr!
Wenig später höre ich ihn wieder - aber anders.
"Da vorne geht es dann gleich rechts in die Dings ... zweite Straße nach Dings (ja, weiß ich)."
Ich antworte korrekt "Jaaaa."
"Nein, hier noch nicht - hier ist ja noch nicht das Dings ....."
Weiß ich, doch Eierkopf - geh mir doch nicht wieder auf den Senkel - ich fahre halt mal anständig nur 40 in der 30er Zone ....
Gut, daß ich nie im Leben auf die Ratschläge von damaligen Freunden gehört habe, die mir empfahlen, mir doch eine Knarre zu besorgen, für "meine Sicherheit"! (als ich noch Wirtin war .... also mit Kneipe und für Schmarotzer) Ich habe schon damals gesagt - das ist nichts für mich - ich habe die Neigung, vorhandenes Werkzeug auch zu benutzen - ich würde einfach zuviele Leute damit erschießen.
"So, jetzt hier rechts und dann gleich ...."
"Jaaaaaaaaa ....." (besonders langes, am Ende stimmlich hochgezogenes "A" steht für entsprechendes Schimpfwort).
"Ja - hier können wir halten. Was macht es denn?"
"Das macht schnick Euro schnuck" zeige ich ihm meine Zähne, natürlich formell höflich, große scharfe Zähne - die sich nicht mehr ausbeissen an "Gesprächsvampiren".
Der Eierkopf, der mir eben noch drohen wollte, gibt mir ein gutes Trinkgeld -
und reicht mir die Hand zum - wie er sagt: "Frieden".
Ich schlage ein.
Ich mag ihn nicht sonderlich,
aber Frieden finde ich gut.
Für den Frieden.
Nicht, daß es mir leicht fällt -
aber für den Frieden muß es sein.
Samstag, 11. Juni 2011
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2 Kommentare:
Manchmal meinen Herren, dass wir zu deren Vergnügen der Zierrat des Lebens seien...Gut, Deine Abgrenzungen!
Habe in meiner Bib ein neues Buch gefunden und in Gedanken an Dich gleich geschnappt: Es heißt: Im Taxi. Von Chalid al-Chamissi. Unterwegs in Kairo.
Bin mal gespannt...
Gruß von Sonja
wow
was mehr könnte ich jett sagen
dies:
schön daß du hier bist
in meinem garten
in dem ich gerne mit dir bin
danke
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