Sonntag, 25. Dezember 2011

Gut sieben mal sieben Jahre ....

... habe ich meine Neugier vorwiegend den Menschen gewidmet.
Dem Menschsein selbst vermutlich.
Eigentlich komplett narzistisch motiviert,
um mich selbst in allen Facetten kennenzulernen.
Irgendwie - ist es nun gut.
Es gibt nur wenig "Neues".
Schlimmste Vorstellungen und Übel -
finde ich ebnsogut bei mir selbst und
muß sie nicht mehr Anderen anlasten.
Alles ist möglich -
auch alles für Unmöglich-Gehaltene.

Neulich fuhr ich eine kurdische Familie aus dem Irak, einen bildschönen Vater, zwei mehr als bildhübsche erwachsene Töchter und einen kleinen ebenso schönen Jungen, ich holte sie am Kinderkrankenhaus ab. Fuhr sie zunächst zu einer Notapotheke, es war Sonntag, und dann weiter nach Hause.
Diese Leute betrieben nicht einfach nur platte Konversation, sondern wollten wirklich etwas erfahren und/oder sich austauschen.

Eine durchaus interessierte Frage einer der jungen und klugen Frauen, wie ich denn wohl darauf gekommen sei, Taxifahrerin zu sein, habe ich noch sehr banal und mehr als oberflächlich beantwortet, sicher aus Überdruss über soviele andere Menschen zuvor, die mich zwar Ähnliches fragten, doch nur, um mir ihre Horrosszenarien über die vermeintliche Gefährlichkeit  und Gefährdung meines Berufsstandes um die Ohren und in die Limousine zu schleudern. So sagte ich nichts weiter als "Irgendwie muß ich ja Geld verdienen."
Ob es nicht gefäjrlich sei? Ja, sicher - ist es irgendwie gefährlich, 12 Stunden (meist mache ich nur 11 ...) im Strassenverkehr unterwegs zu sein. Der Vater wußte es besser: "Nein, das ist nicht gefährlich." (Grins...)

Als ich bemerkte, daß diese Menschen wirklich interessiert sind, taute ich auf und es ergab sich ein anderes, sehr wohltuendes Gespräch unter Menschen

Diese Frage, wie ich denn zum Taxifahren gekommen sei, hat mich danach noch beschäftiigt. Es gibt viele Aspekte. Sicher ist einer der Maßgeblichen, daß ich auf diese Weise weiter die meiste Zeit draußen und auf der Strasse verbringe - wie eh und je. Gewohnheit sozusagen, von klein auf. Wenn ich mir manchmal vorstelle, ich sollte den Tag (wieder) in einem Büro verbringen und so tun, als interessiere mich das Zeugs, oder gar in einem neonbeleuchteten, kasernierten Verkaufsraum, weiß ich wieder sehr schnell, was ich an meinem Broterwerb habe - trotz Strassenhektik und anderer Unbilden.
Einen reichen Menschen noch reicher zu machen - ist nichts für mich.
Außerdem - noch wichtiger - gibt es niemanden, der den Boss markiert. außer ein paar FahrgästInnen, die sich allzu wichtig nehmen. "Nach oben buckeln und nach unten treten" nenne ich das. Sachzwänge gibt es - wenn mal die Anfahrt zur Reparaturwerkstatt angesagt ist o.ä. Besonders willig einsehbar, seit ich mit sehr netten Menschen zusammenarbeite.

Vior etwa sieben Jahren, als ich anfing, mit Mercedes-Limousinen durch mein Geburts-Revier zu fahren - nachdem ich bereits in 1991 den Taxischein machte -  fragte mich der damalige Unternehmer ebenfalls, wieso ich eigentlich Taxi fahren wolle? Ich kam gerade von "Buddhistens" und antwortete aufrecht-sinngemäß: "Weil ich gerne eine ehrliche, klare Arbeit machen möchte, hinter der ich auch stehen kann."
Er zog eine Augenbraue hoch - und ich ließ mich für eine Sekunde irritieren. Aber es hat sich bis heute nichts  Anderes bewahrheitet, bis auf sehr wenige Ausnahmen, in denen ich ihm nicht die ganze Wahrheit mitteilte - weil er es mehr als verdient hatte. Rare und freudige Gelegenheiten, in denen ich mir nurmehr das zurückholte, was ich mehr als verdient hatte.Zum Beispiel bei drei Auffahrunfällen auf meine Kiste in einem halben Jahr, an denen der Tausende von Euronen verdiente - und ich in endlosen Kämpfen mit ihm lediglich 50 Euro für mich mühsam herausschlagen konnte. Damals kam mir eine fehlerhafte Computer-Abrechnung mit 450,- Euro entgegen - und ich mir selbst, entgegen meinem sonstigen Naturell, indem ich mir fast auf die Zunge biss, um desen schönen Zu-Fall zu verschweigen.
Das hatte mir ein Fahrgast zuvor beigebracht, auf französsch, "Changer la Fortune" heißt das.
Die Leute, mit denen ich jetzt arbeite - wollte ich gar nicht "betrügen", denn es ist einfach fair. Und es ist schön, wieder so arbeiten zu können - nach ein paar wenigen Abschweifern von dieser Idee.

Ehrlich - ich hätte keine Ambitionen, beispielsweise Baumarkt-Silikon in Brustimplantate zu verbringen. Könnte nicht mehr gut schlafen.  Trotzdem ich darum weiß, daß ich selbst alle Dämonen kenne und in mir trage. Aber wer weiß schon, was das Leben noch so alles mit sich bringt?

2 Kommentare:

Wildgans hat gesagt…

Mit der genialen Werbung "Kauf dich glücklich!" kann man Dich aber so gar nicht locken....
Gruß von Sonja

Sati hat gesagt…

Nicht mehr. Habe es früher ja auch versucht auf diese Weise. Heute schütteln mich solche genialen Sätze eher. Ein paar größere Wünsche habe ich aber noch ... einen schönen Tag für Dich, Sati