... habe ich meine Neugier vorwiegend den Menschen gewidmet.
Dem Menschsein selbst vermutlich.
Eigentlich komplett narzistisch motiviert,
um mich selbst in allen Facetten kennenzulernen.
Irgendwie - ist es nun gut.
Es gibt nur wenig "Neues".
Schlimmste Vorstellungen und Übel -
finde ich ebnsogut bei mir selbst und
muß sie nicht mehr Anderen anlasten.
Alles ist möglich -
auch alles für Unmöglich-Gehaltene.
Neulich
fuhr ich eine kurdische Familie aus dem Irak, einen bildschönen Vater,
zwei mehr als bildhübsche erwachsene Töchter und einen kleinen ebenso
schönen Jungen, ich holte sie am Kinderkrankenhaus ab. Fuhr sie zunächst
zu einer Notapotheke, es war Sonntag, und dann weiter nach Hause.
Diese Leute betrieben nicht einfach nur
platte Konversation, sondern wollten wirklich etwas erfahren und/oder
sich austauschen.
Eine durchaus interessierte Frage
einer der jungen und klugen Frauen, wie ich denn wohl darauf gekommen
sei, Taxifahrerin zu sein, habe ich noch sehr banal und mehr als
oberflächlich beantwortet, sicher aus Überdruss über soviele andere
Menschen zuvor, die mich zwar Ähnliches fragten, doch nur, um mir ihre
Horrosszenarien über die vermeintliche Gefährlichkeit und Gefährdung
meines Berufsstandes um die Ohren und in die Limousine zu schleudern. So
sagte ich nichts weiter als "Irgendwie muß ich ja Geld verdienen."
Ob
es nicht gefäjrlich sei? Ja, sicher - ist es irgendwie gefährlich, 12
Stunden (meist mache ich nur 11 ...) im Strassenverkehr unterwegs zu
sein. Der Vater wußte es besser: "Nein, das ist nicht gefährlich."
(Grins...)
Als ich bemerkte, daß diese Menschen
wirklich interessiert sind, taute ich auf und es ergab sich ein anderes,
sehr wohltuendes Gespräch unter Menschen
Diese
Frage, wie ich denn zum Taxifahren gekommen sei, hat mich danach noch
beschäftiigt. Es gibt viele Aspekte. Sicher ist einer der Maßgeblichen,
daß ich auf diese Weise weiter die meiste Zeit draußen und auf der
Strasse verbringe - wie eh und je. Gewohnheit sozusagen, von klein auf.
Wenn ich mir manchmal vorstelle, ich sollte den Tag (wieder) in einem
Büro verbringen und so tun, als interessiere mich das Zeugs, oder gar in
einem neonbeleuchteten, kasernierten Verkaufsraum, weiß ich wieder sehr
schnell, was ich an meinem Broterwerb habe - trotz Strassenhektik und
anderer Unbilden.
Einen reichen Menschen noch reicher zu machen - ist nichts für mich.
Außerdem
- noch wichtiger - gibt es niemanden, der den Boss markiert. außer ein
paar FahrgästInnen, die sich allzu wichtig nehmen. "Nach oben buckeln
und nach unten treten" nenne ich das. Sachzwänge gibt es - wenn mal die
Anfahrt zur Reparaturwerkstatt angesagt ist o.ä. Besonders willig
einsehbar, seit ich mit sehr netten Menschen zusammenarbeite.
Vior
etwa sieben Jahren, als ich anfing, mit Mercedes-Limousinen durch mein
Geburts-Revier zu fahren - nachdem ich bereits in 1991 den Taxischein
machte - fragte mich der damalige Unternehmer ebenfalls, wieso ich
eigentlich Taxi fahren wolle? Ich kam gerade von "Buddhistens" und
antwortete aufrecht-sinngemäß: "Weil ich gerne eine ehrliche, klare
Arbeit machen möchte, hinter der ich auch stehen kann."
Er zog
eine Augenbraue hoch - und ich ließ mich für eine Sekunde irritieren.
Aber es hat sich bis heute nichts Anderes bewahrheitet, bis auf sehr
wenige Ausnahmen, in denen ich ihm nicht die ganze Wahrheit mitteilte -
weil er es mehr als verdient hatte. Rare und freudige Gelegenheiten, in
denen ich mir nurmehr das zurückholte, was ich mehr als verdient
hatte.Zum Beispiel bei drei Auffahrunfällen auf meine Kiste in einem
halben Jahr, an denen der Tausende von Euronen verdiente - und ich in
endlosen Kämpfen mit ihm lediglich 50 Euro für mich mühsam
herausschlagen konnte. Damals kam mir eine fehlerhafte
Computer-Abrechnung mit 450,- Euro entgegen - und ich mir selbst,
entgegen meinem sonstigen Naturell, indem ich mir fast auf die Zunge
biss, um desen schönen Zu-Fall zu verschweigen.
Das hatte mir ein Fahrgast zuvor beigebracht, auf französsch, "Changer la Fortune" heißt das.
Die
Leute, mit denen ich jetzt arbeite - wollte ich gar nicht "betrügen",
denn es ist einfach fair. Und es ist schön, wieder so arbeiten zu können
- nach ein paar wenigen Abschweifern von dieser Idee.
Ehrlich
- ich hätte keine Ambitionen, beispielsweise Baumarkt-Silikon in
Brustimplantate zu verbringen. Könnte nicht mehr gut schlafen. Trotzdem
ich darum weiß, daß ich selbst alle Dämonen kenne und in mir trage.
Aber wer weiß schon, was das Leben noch so alles mit sich bringt?
Sonntag, 25. Dezember 2011
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2 Kommentare:
Mit der genialen Werbung "Kauf dich glücklich!" kann man Dich aber so gar nicht locken....
Gruß von Sonja
Nicht mehr. Habe es früher ja auch versucht auf diese Weise. Heute schütteln mich solche genialen Sätze eher. Ein paar größere Wünsche habe ich aber noch ... einen schönen Tag für Dich, Sati
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