Heute staunte ich nicht schlecht an einem Halteplatz. Hatte in diesen
Tagen endlich mal wieder meinen MP3-Player ins Radio zugeloggt -
kabellos. Immer, wenn ein Auftrag kam, meldete dieser es via Krächzen
durch´s Radio schon vorher an. Fahre ich über eine Brücke, kann es
passieren, daß sich die Sendefrequenz leicht verschiebt und sich ein
Radiosender mit draufschiebt. Als ich heute am Halteplatz den Kofferraum
öffnete - Krächzen und Störgeräusche vorne vom MP3-Player! Dazu den
ganzen Tag das Handy an und ein heißes Funkgerät, welches einen
Heizungsbetrieb ab gewissen Außentemperaturen erübrigt. Der Navi
empfängt derweil seinerseits Daten via Satellit. Ich sitze also den
ganzen Tag über in einer elektronischen Hochspannungszone. Das wußte ich
zwar schon vorher - irgendwie - aber die elektronische Antwort auf´s
Kofferraum-Öffnen hat mich nochmal leicht perplex werden lassen.
Heute ging mir also ein Licht auf, was mich abends so bleischwer-müde
sein läßt - neben dem Verkehr in der Kolonie und der Reizüberflutung mit
Werbemüll und ständig wechselnden Sinneseindrücken im Außen. Wenn ich
frei habe - ist das weg. Werde also von nun gut drauf achten und mich
mit einem körpereigenen, pharadeiischen Schutzwall umgeben. Mental
gezogen - gegen Strahlungsermüdung.
Eine weitere Erscheinung: Seit ich auf dem Land wohne, ziehe ich
Tigerkreise um die Limousine. Muß immer wieder aussteigen und laufe wie
der Tiger
im vorm Käfig wenigstens einige Schritte -
in Reichweite - um das Fahrzeug herum. Laufen statt Schlafen quasi - bis
auf heute 5 Minuten seligst-süßen Tief-Traumschlaf, der mir wie eine
Stunde vorkam. Hatte ausnahmsweise die Uhrzeit memoriert. Vielleicht
wirkt ja die neue Tageslicht-Energie? Werde das weiter beobachten. Und
mir ein gutes Heim-Sportgerät schenken für die bleischweren Knochen und
Gelenke am Abend. Sogar für ein wenig balsamisches Yoga hat es schon
wieder gereicht - nach langer Abstinenz.
Langsam ... geht´s bergauf. Bereue keine Sekunde, nicht mehr in der
Kolonie zu wohnen. Im Gegenteil - freue ich mich jeden Tag über ein
wenig wohltuenden Abstand an den Morgen und Abenden.
Ging heute im ehemaligen Innenstadt-Viertel der Kolonie zur Wahl - und
ein paar Schritte zu Fuß durch vermeintlich vertraute Strassen, um
festzustellen, daß keine Vertrautheit übrig ist. Anschließend fuhr ich
in die Strasse, in der ich die letzten sieben Jahre gewohnt hatte, um
beim Kiosk etwas zu erstehen - dieser hatte noch geschlossen und ich
setzte rückwärts wieder raus mit dem Gedanken: "Das muß sehr lange her
sein, daß ich dort gelebt habe." Mancher Taxi-Halteplatzt ist mir noch
vertrauter. Aber auch dort - würde ich ohne diesen Job lange Zeit nicht
mehr aufkreuzen.
So schnell geht´s.
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