Sonntag, 13. Mai 2012

Elektronische Hochspannungszone

Heute staunte ich nicht schlecht an einem Halteplatz. Hatte in diesen Tagen endlich mal wieder meinen MP3-Player ins Radio zugeloggt - kabellos.  Immer, wenn ein Auftrag kam, meldete dieser es via Krächzen durch´s Radio schon vorher an. Fahre ich über eine Brücke, kann es passieren, daß sich die Sendefrequenz leicht verschiebt und sich ein Radiosender mit draufschiebt. Als ich heute am Halteplatz den Kofferraum öffnete - Krächzen und Störgeräusche vorne vom MP3-Player! Dazu den ganzen Tag das Handy an und ein heißes Funkgerät, welches einen Heizungsbetrieb ab gewissen Außentemperaturen erübrigt. Der Navi empfängt derweil seinerseits Daten via Satellit. Ich sitze also den ganzen Tag über in einer elektronischen Hochspannungszone. Das wußte ich zwar schon vorher - irgendwie - aber die elektronische Antwort auf´s Kofferraum-Öffnen hat mich nochmal leicht perplex werden lassen.
Heute ging mir also ein Licht auf, was mich abends so bleischwer-müde sein läßt - neben dem Verkehr in der Kolonie und der Reizüberflutung mit Werbemüll und ständig wechselnden Sinneseindrücken im Außen. Wenn ich frei habe - ist das weg. Werde also von nun gut drauf achten und mich mit einem körpereigenen, pharadeiischen Schutzwall umgeben. Mental gezogen - gegen Strahlungsermüdung.
Eine weitere Erscheinung: Seit ich auf dem Land wohne, ziehe ich Tigerkreise um die Limousine. Muß immer wieder aussteigen und laufe wie der Tiger im vorm Käfig wenigstens  einige Schritte - in Reichweite - um das Fahrzeug herum. Laufen statt Schlafen quasi - bis auf heute 5 Minuten seligst-süßen Tief-Traumschlaf, der mir wie eine Stunde vorkam. Hatte ausnahmsweise die Uhrzeit memoriert. Vielleicht wirkt ja die neue Tageslicht-Energie? Werde das weiter beobachten. Und mir ein gutes Heim-Sportgerät schenken für die bleischweren Knochen und Gelenke am Abend. Sogar für ein wenig balsamisches Yoga hat es schon wieder gereicht - nach langer Abstinenz.
Langsam ... geht´s bergauf. Bereue keine Sekunde, nicht mehr in der Kolonie zu wohnen. Im Gegenteil - freue ich mich jeden Tag über ein wenig wohltuenden Abstand an den Morgen und Abenden.
Ging heute im ehemaligen Innenstadt-Viertel der Kolonie zur Wahl - und ein paar Schritte zu Fuß durch vermeintlich vertraute Strassen, um festzustellen, daß keine Vertrautheit übrig ist. Anschließend fuhr ich in die Strasse, in der ich die letzten sieben Jahre gewohnt hatte, um beim Kiosk etwas zu erstehen - dieser hatte noch geschlossen und ich setzte rückwärts wieder raus mit dem Gedanken: "Das muß sehr lange her sein, daß ich dort gelebt habe." Mancher Taxi-Halteplatzt ist mir noch vertrauter. Aber auch dort - würde ich ohne diesen Job lange Zeit nicht mehr aufkreuzen. 
So schnell geht´s.

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