Samstag, 16. Juni 2012

Die Frau H. bereut etwas ...

Hole heute morgen wieder die Frau H. ab. Kenne sie bereits und schrieb schon mal was zu ihr. Immer zu Schwerzen aufgelegt, diese alte Dame. "Ach, die Sportsfrau" - begrüßt sie mich. "Sie sind doch die mit den Kindern?" Nein, keine Kinderchen. "Ach - dann sind sie aber die mit der Katze?" Nein, auch nicht. Ich zähle an den Fingern auf "Keine Kinder (Daumen) - keine Katze (Zeigefinger) - kein Ehemann (Mittelfinger) ..." und amüsiere mich.
Aber Angehörige hätte ich doch sicher? Ich verneine auch dies.
"Ach Gottchen ..." Jetzt muß ich lachen, verkneife mir aber einen weiteren Kommentar - nämlich den, daß es sich ohne solche gar nicht so übel leben läßt.

Im Grunde stimmt es nicht ganz - es gibt noch zwei - aber ich habe keinen Kontakt mehr und keinen Anlaß für solchen. Völlig überaschenderweise erreichte mich gerade gestern morgen in der Limousine - vor meinem weiteren "Goldtag" in Sachen angenehmer Begegnungen - ein Anruf auf meinem Handy. Der Neffe war dran. Ich dachte tatsächlich "Was will der denn?". Er wollte - nichts weiter. Hätte oft an mich gedacht in den letzten Tagen. Aha .... viel Schlechtes? sage ich etwas zynisch und merke erstaunt, daß ich noch recht abgegessen bin über die widerliche "Familiennummer" kurz vor dem Tode der Patronin - meiner Mutter, seiner Oma - vor vier Jahren.  Da bezichtigte mich doch dieser Typ - dem ich nie ein Haar gekrümmt habe und den ich einst als Kind vor seiner kranken, gewalttätigen eigenen Mutter bewahrte - ich hätte mich hinterfotzig in die Wohnung meiner Mutter geschlichen, um mir als erste irgendwelche "Dinge" anzueignen.  Ich hab´s ihm insofern nachgesehen, als das er gerade mit seiner eigenen Mutter frisch wieder in Kontakt gekommen war - und wußte daher gut, aus welcher Quelle dieser Unsinn stammt.
Tatsächlich - bin ich auf mehrfaches Drängen meiner eigenen Mutter, die im Sterben lag, doch noch dort hingefahren und habe mich dort gute drei Stunden lang von einer Vergangenheit verabschiedet, die sich gerade auflöste.
Ironie des Schicksals - und für mich völlig überraschend nach ihrem Tode: Ich - war diejenige, die alleinige Kontovollmacht hatte, hatte das irgendwann mal vor vielen Jahren unterzeichnet und längst wieder vergessen.  Als dann die Nachricht der Bank kam - genoss ich diese Genugtuung gerne. Stellte mir vor, wie diesen sinnlosen Verleumdern wohl der Arsch auf Grundeis geht - ich könne tatsächlich so veranlagt sein, wie sie es mir grundlos unterstellt hatten. Ja, sie hatten nun Sorge um ihren Anteil .... hahaha, wie dumm sie waren. Verdient gehabt hätten sie es, mal richtig gut abgezogen zu werden nach dieser unverschämten Nummer - auch der Neffe, der bis dahin immer noch Bonus gehabt hatte.
Besonders interessant war - aus rein psychologischer Sicht, daß diese frisch zusammengekomme Union von Mutter und Sohn mir Vorhaltungen machte bezüglich meines Verhältnisses zu meiner Mutter - statt auch nur auf die Idee zu kommen, daß sie selbst da einen fetten Kntten zu lösen haben. Meine Mutter und ich - waren im Reinen miteinander, trotz aller Differenzen - die ich aber nicht mehr mitspielte. Es ist immer gut im Leben zu wissen, von wem etwas kommt ...
Ich sah den Neffen nur noch einmal zufällig danach in der Stadt, vor zwei Jahren  - wir unterhielten uns ein wenig und jeder ging seiner Wege. Gestern dann - dieser Anruf. Na gut - aha .... er wohnt inzwischen in Berlin. Und dies und das, was eben so alles passiert ist. In Beziehung mit einer Frau, die ihn nicht benötigt, damit er sie glücklich macht. Klingt gut. Freut mich. Nachwuchs wird es nicht mehr geben - die ehemals Ahnenreihe ist damit endgültig zm Ende gekommen. Hmmhh ...
Nach etwa einer halben Stunde kommt ein alter Mann, ein Fahrgast, auf mich zu und ich sage "So, Liebschen (darf man schon mal sagen auf kölsch ...) - jetzt geht´s hier weiter. Tschüß, mach´s gut."

Erst gestern abend fiel es mir wieder ein, daß doch da ein Anruf war am Morgen. Ich hatte einen derart netten Tag mit netten Menschen, daß ich es völlig vergessen hatte. Was für eine Erleichterung und gesunde Reaktion - nicht mehr in den alten Geschichten festzuhängen. Der anfängliche Zorn, der nochmal hochkochte - hatte seine mehr als gute Berechtigung - und verrauchte dann, löste siich in Nichts auf.
Es blieb nur die Erleichterung darüber, daß mensch an gar nichts festhalten braucht im Leben. Und daß es viel interessanter ist, was gerade im Moment geschieht. Blut ist - also auch nicht dicker als Wasser, wie so oft behauptet.

Bemerkte auch nochmal sehr klar bei mir - daß, wer derart frech wird und über meine Grenzen geht, wie einst er und die andere Tochter meiner Eltern - bei mir kein Bein mehr auf den Boden kriegt. Aber dafür - muß auch wirklich viel passiert sein. Er hat immer noch eine Art "Dummheits-Bonus" ... obwohl ich deutlich spürte, daß die ehemalig intensive Verbindung nun komplett gelöst ist. Gut so. 
Was seine Mutter betrifft - die ist allzu weit gegangen und selten habe ich so einen haßerfüllten und gleichzeitig völlig unberechtigt überheblichen Menschen erlebt, mehrmals, wie sie. Das - soll ihr Problem bleiben - nicht meines.

Die Odyssee ihres eigenen, jahrzehtntelangen  Elends - hat sie völlig verdrängt - und dafür mir Versagen im Leben vorgeworfen - ich hätte nichts erreicht. So wie sie .... (???) Ich war es allerdings - die seinerzeit, als sie todkrank und mit heftigstem Schlaganfall zusammengebrochen im Krankenhaus lag - ihre Wohnung entrümpelte. Tagelang. Gern gesehener Gast auf der Müllkippe. Eine unvorstellbare Nummer - nur meiner eigenen Mutter zuliebe, die damit alleine völlig überfordert war (jeder wäre das gewesen). Aber sie - hat alles richtig gemacht im Leben. Und ich - sei ein  Versager. Dachte bei mir "Ein normales, kurzes Danke für Deine Unterstützung in diesen schlimmen Jahren hätte auch gereicht".
Ich - lebe allerdings sehr gut damit, "zu versagen", denn ich brauche, den Göttern sei Dank, niemandem etwas zu beweisen. 
Schon fast wieder faszinierend, wie Menschen ihre eigene Scheiße derat ausblenden und  auf Andere projizieren können. Und dies - ist nur eine Anekdote von vielen im Rahmen dieser jahrzehntelangen Tragödie, die ich miterleben durfte.
Am Ende - ging ich nicht mehr mit zum "Leichenschmaus" meiner Mutter. Ich wäre sonst ganz sicher ausgerastet über soviel widerliche Verlogenheit dieser anderen Tochter - und ich wollte den anderen Leuten und den Ahnen diese letzten Stunden des Abschieds nicht versauen.  Bei den mir gut bekannten Freunden meiner Mutter - verabschiedete ich mich mit Handschlag und Aufrichtigkeit - sie haben mich trotz karger Worte sehr gut verstanden. Manche von ihnen waren lange Jahre auf diese äußerliche "Gefälligkeit" meiner älteren "Schwester" reingefallen  - und von meiner eher distanzierten Beobachter-Position befremdet. Ich hatte schon früh -  als jüngstes Clan-Mitglied -  Vieles schweigend im Auge auf diversen Feiern und Zusammenkünften. Sie revidierten meist gerne und zügig,  sehr überrascht ihre Vor-Urteile, wenn sie sich denn mal irgendwann für mein "Adlerauge" interessierten. Keine leichte Übung für diese Menschen - die Dinge plötzlich aus ganz anderer Warte zu betrachten. Aber sie haben es gut gemeistert. Und gen Ende  gab´s viel Ehrliches zu erzählen.  Immerhin - war die "Frau General-Feldmarschall" eine excellente Knöpfedrückerin. Nicht nur bei mir, deren Knöpfe sie schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich drücken konnte - sondern auch bei den Ewig-Bekannten. Ich glaube - als "Versagerin"  habe ich es um Vieles leichter im Leben, mit den Menschen über das zu sprechen, was sie wirklich berührt und aufwühlt. Und ich nehme es mal als Kompliment - ich versage mich schon von klein auf diesen ganzen Scheiß-Spielen. Insofern - wird das "Versagen" eine sehr aktive Handlung. Kleiner Exkurs ...

Das alles - erzählte ich der lustigen, alten Frau H. nicht. Diese meinte "Ach, Kindchen - da brauchen Sie aber wenigstens eine gute Freundin, der sie alles erzählen können." Ich meine - ja, manchmal tausche ich mich aus über Dinge. Mit solchen, die verstehen, worüber ich rede.  Frage sie - nachdem sie eröffnete, daß sie verheiratet war - ob sie denn "erfolgreich verheiratet" war ...  Ja. War sie. Aber - leider sei das oft so im Leben, daß man erst zu spät merkt, was man gehabt hat. Als ihr Mann starb, habe sie bereut, daß sie es nicht besser genacht habe. Er - sei eine Seele gewesen, aber sie habe immer nach links und rechts geschaut. Und Kinder habe sie auch keine. Hätte jetzt gerne eines.  Damit man noch jemand habe, für den es sich zu leben lohnt.
Ich teile das nicht. Sage - Kinder sind irgendwann erwachsen - und sollten ihr eigenes Leben leben können. Nicht die Eltern pflegen müssen. Ja - das findet sie auch. Aber - wer sich denn um mich kümmern solle, wenn ich mal alt bin? Ich antworte, wie es ist: Keine Ahnung. Ich lebe meistens im Moment - und alles Andere kommt von selbst.
Ergänze - daß ich auch Freundschaften nicht aus einem solchen Motiv heraus führe - um nicht alleine zu sein und "jemanden zu haben", den ich mit meinem Zeug zumüllen kann. Oder der für mich da ist, sich um mich kümmert.

Die Frau H. meint - sie teile im Grunde meine Einstellung. Findet sie gut so. Aber ein Kind - hätte sie doch gerne gehabt. Ich schlage vor - schaffen Sie sich einen Hund an. Sie hatte mich zuvor noch im Scherz gefragt, ob ich einen hätte, nachdem ich alles Andere verneinen mußte. Nein, das gehe nicht mehr - die Hunde würden zu stark an der Leine ziehen und sie könne die nicht mehr halten. Ne - sage ich - einen "gut erzogenen" - der bei Fuß geht, ohne zu ziehen. Einen klugen Hund..
Wir lachen noch ein wenig zusammen, sie tätschelt mir freundlich Arm und Hand ... und ich freue mich schon auf die nächste Überraschung mit ihr.

2 Kommentare:

Ich will...... hat gesagt…

ich habe auch so eine "schwester" wie du....der sechs jahre jüngere kronprinz .....auf andere weise, aber auch lebensunfähig, irgendwie.
dass sie uns, den geschwistern versagen vorwerfen, liegt in der natur der sache. wie sollten sie sich eingestehen, dass sie da ihr eigenes versagen spiegeln...
auch an mir perlt es inzwischen ab. ich fühle nur noch mitleid, manchmal.

durch frau h. schleicht sich das begonnene thema altsein wieder ein, merkst du?
grüße
m.

Sati hat gesagt…

Ja - merk´ ich nicht nur, sondern geniesse es sogar in den letzten Tagen sehr - diese vielen Alten "bei mir" zu haben und zu studieren ...
Meine Schwester - ist sechs Jahre älter und hätte mir vielleicht eher etwas "vorleben" können.
Oder mir manchmal Unterstützung geben können.
Lief alles - andersrum und verquer .... aber: Ist gelaufen. Der Neffe gestern - hat es nochmal so klar gemacht.
Diese "Schwester" ist auch nicht lebens-unfähig, denn sie lebt ja - ihr Leben. So, wir es sein soll. Und wie es für sie inzwischen - seit vielen Jahren - gut ist.
Und sie darf ihre Dinge selbst lösen.
Aber - was sie für mein Erleben nicht durfte - ist: Mich auch noch zutiefst verfluchen dafür, daß ich ihren fetten und älteren Arsch über Jahrzehnte mitgetragen habe innerhalb des Clans.
Egal .... heute eine Fremde.
Eine, mit der ich nie eine Freundschaft suchen würde.
So - ist es gut.
Und wir alle leben unsere Leben so - wie es gut für uns ist.
Grüße an den Kronprinz -
herzliche an Dich,
Sati