Marktbesuch im kleinen Nachbarort. Kleiner, feiner Markt - alles da,
was ein Mensch so benötigt - für die Ernährung, Kleidung und auch
Schönheit in Form von Blumen und Pflanzen.
Für 20 Euro erstehe
ich: Äpfel einer alten und vitaminreichen Sorte, Möhren, Porree, einen
Blumenkohl, rote Paprika, Tomaten, rote Beeten, Fenchel, Feldsalat ...
10 langstielige, frische rote Rosen und ein Stück Kuchen - als
Göttergabe, quasi der teuerste Teil des Einkaufs - sowie ein 1.000 Gramm
schweres, köstlichstes Holzofenbrot aus Roggen und anderen Körnern .
Das kriegst Du - schon gar nicht in dieser Qualität - in keinem
Supermarkt. Quasi alles - regional hergestellt, angebaut. Ein
Schlaraffenland. Mußte mich hier nochmal wiederholen - schrub ja schon
öfter über den für mich mit Abstand besten und günstigsten Ort zum
Einholen - Wochenmarkt eben - und meine Freude daran, was das Leben mir
dort durch die BäuerInnen und HändlerInnen zuteil werden läßt. Heute -
hatte ich mal Samstags frei und freute mich, diesen kleinen Markt in der
Umgebung kennenzuleren. Übrigens, für mich ein weiterer vitaler und
wertvoller Aspekt, auf einem Markt einzukaufen: Hier werden noch ehemals
natürliche, zwischenmenschliche Kontakte in Form von Austausch
gepflegt. Es gibt nicht etwa Selbstbedienung - sondern eine Form von
Kommunikation zwischen den Menschen vor - und hinterm Tresen - und sei
sie noch so banal, etwa in Form von schlichter Ansage, was gewünscht
ist. Dieses uralte Spiel machte mir heute am Gemüsestand umsomehr
Freude, als das ich von einem strahlenden Wesen bedient wurde - und wir
uns mehrfach breit angrinsten während des Geschäftes. Dazu - lernte ich
etwas über eine alte Apfelsorte. Und an anderem Verkaufsstand wurde ich
freundlich gefragt, ob ich Beratung wünsche? All diese schlichte
Kommunikation - gibt es noch auf lebendigen Märkten - aber sicher nicht
mehr an vielen anderen Orten.
Ging noch ein wenig durch den Ort
und kurz auf eine Art Hügel. Zwar herrschte auch im Ortskern
samstägliches Treiben, aber kein Vergleich mit der Kolonie. Es ist viel
beschaulicher. Und das - tut mir sehr gut nach sovielen Jahren in der
großen Stadt. Hin- und Rückfahrt durch´s erbauliche Grün - so idyllisch
wie in einem Rosamunde-Pichler-Streifen ....
Manchmal fehlt es mir
noch an der rechten Wahrnehmung - auch nach einem halben Jahr hier -
daß ich tatsächlich nicht mehr in der Kolonie hause. Liegt auch am noch
andauernden und sinnlosem Job in der Kolonie .... der zieht zuviel
Energie ab, alles viel zuviel Gewohnheit und Routine.
Gestern
abend - fand ich mich plötzlich und endlich mal für eine wahrnehmende
Weile in meinem "Keller" wieder. Der eigentlich gar kein "Keller" ist -
sondern ein geräumiger, heller und sehr freundlicher Raum. Mit weißen
Wänden, einer feinen weißen, schalldämmenden Styropor-Decke und einem
freundlich-hellen Bodenbelag. Am Tage fällt reichlich Licht durch zwei
Fenster und auch Sonnenstrahlen. Jetzt ist er sogar mit neulich auf der
Straße verschenktem, perfektem Arbeitstisch ausgestattet - mit weißer
Arbeitsplatte. Wollte nur mal eben ein Musikinstrument raufholen ... und
stand dann dort, staunend, wieviel freundlichen Raum ich noch gar nicht
eingenommen habe - obwohl er mir doch hier zur Verfügung steht.
Immerhin - ein Moment des Merkens und Staunens.
Tatsächlich - kann
ich gerade nicht viel "tun", außer viel Geduld mit mir zu haben. Alle
Vorstellungen, wie es sein sollte und was ich alles hier auf die Beine
stellen könnte - sind, waren eben noch Vor-stellungen. Die Seele -
fordert ihre ganz eigene Zeit. Und ganz besonders freie Zeit - wovon ich
gerade glücklicherweise einige wertvolle Tage habe. Es ist und war -
sehr viel zu verdauen, was so in den vergangenen Jahren geschah -
wieviel Überladung, (Überlebens-) Stress und Enge sich aufgebaut haben
und nachwirken, obwohl die Umstände sich schon teils geändert haben -
hallelujah! Das ist vielleicht, was unter Karma zu verstehen ist: Die
Früchte der eigenen Dummheit und Ignoranz - wollen auch geerntet werden.
Bzw. - geerntet sind sie - Verarbeitung und Verdauung sind not-wendig.
Und hierauf habe ich offenbar nicht wirklich viel Einfluß, denn er
dauert länger, als ich dachte, dieser Verdauungsprozeß. Das Verdauuen
von allem, was eher bitter geschmeckt hat oder noch schmeckt - um dann
mit leerem Magen - wieder von vorne zu beginnen. "Fällst Du sieben Mal
hin - steh acht Mal auf" - sagt man irgendwo im Osten. Anders - geht´s
nicht. Aber was die Liegezeit auf der Schnauze betrifft - da braucht´s
eben manchmal Geduld. Diese aktuelle - dauert zumindest scheinbar länger
und hat eine andere Qualität: Der ehemals jugendliche Leichtsinn
scheint verblasst, die Zeiten, in denen ich mich, "nach-was-auch-immer",
zügig wieder auf die Beine stellte und einfach weterging. Ich bin jetzt
wohl keine 20 mehr (was ich oft kaum glauben kann ...).
Jetzt -
so kurz vor 50 etwa - stellt sich die Frage: "Wat soll dat allles hier -
jenau? Wofür is dat - jenau - juut? Wat - willl denn dieses Leben bloß
von mir?"
Was zum Teufel - soll ich hier genau lernen?" Die alte
Methode - einfach aufstehen, Staub abklopfen und weiterlaufen -
funktioniert nicht recht. Für die kommenden Jahre - braucht es wohl
etwas Gehaltvolleres. Das Gute: Alles, was jeh in irgendeiner Weise
gehaltvoll war - ist noch bei mir. Materiell - wie immateriell. Ruft
weiter nach Neusortierung.
Schön schon mal - daß es keinen
dunklen Keller mit allzu hungrigen Geistern mehr gibt - sondern nur noch
einen geräumigen, freundlichen und hellen Raum mit guten Optionen.
Samstag, 13. Oktober 2012
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