Dienstag, 10. August 2010

Monogamie, Eifersucht und Realität

Manchmal höre ich dieses lustige Lied im Radio - beim letzten Mal habe ich es mir endlich gemerkt, um es wiederfinden zu können. Es beschreibt auf unterhaltsame Weise ein Stück Realität, wie sie mindestens an allen Wochenenden zu beobachten ist in der großen Stadt. Und ich persönlich finde den Text auch nicht sexistisch, sondern einfach "lebensnah".  Wobei es sicherlich einem größeren Prozensatz der Ehering-VersteckerInnen gelingt, zum gewünschten Objekt der Begierde vorzudringen, statt sich übergeben zu müssen. Oder vielen männlichen Exemplaren wenigstens ein Besuch in einem der örtlichen Bordelle vergönnt ist.

Neulich fiel mir an den Ringen ein volltrunkener, junger türkischer Ehemann in die Limousine und klagte auf der Fahrt darüber, wie unglücklich er in seiner Ehe sei. Aber .... er habe zwei kleine Kinder und deshalb könne er sich ja nicht einfach wieder trennen. Er ist nicht wirklich traditionell sondern weitgehend "westlich" aufgewachsen. Im Grunde wolle er doch sein Leben geniessen und Spaß haben - natürlich auch beim Sex. Den gebe es zuhause aber nicht mehr - seit die Kinderchen da sind. Seine türkische Ehefrau hat er im Türkei-Urlaub kennengelernt und wie das eben so sei, wenn man verliebt ist ..... sein Fehler sei gewesen, Kinder zu machen. Jetzt - wisse er nicht mehr weiter.  Blabla ... jetzt  - "weiß ich Bescheid". Nicht nur über ihn.  Tja. Dumm gelaufen? Natürlich ist das mein Maximal-Kommentar zu derartigen Themen und persönlichen Verwicklungen und Verstrickungen, die mich so gar nichts angehen. Am Ende ist er trotz schwerreicher Verwandschaft (ja, auch das weiß ich alles schon ...) mein zweieinhalbter Zechpreller in meiner Karriere als Limousinenlenkerin - denn er hat nur noch die Hälfte des Fahrpreises in bar dabei und zu seiner Ehefrau hochgehen und Geld holen will er nicht - und ich will das gerade ehrlich gesagt auch nicht. Lieber verzichte ich auf diese paar Euro, als mir den Stress anzutun, unten auf jemand mit 3 Promill zu warten, der vielleicht nie wiederkommt. Schreibe ihm noch eine Adresse auf, bei der er später das Geld abgeben kann - es kam aber nicht mehr von ihm, dafür am gleichen Tag wenig später von einem feundlichen Fahrgast als großzügiges Trinkgeld.

Während der Fahrt - hat dieser türkische Ehemann seine Frau am Handy und sie streiten fleissig herum - soviel verstehe ich, ohne ein Wort der Sprache zu verstehen. Manchmal - verstehe ich sogar am Tonfall, was die da gerade sagen. Letztens habe ich spaßhalber bei einem nachgefragt, ob er eben genau das gesagt habe - und ich lag goldrichtig.
Diese türkische Ehefrau zetert am anderen Ende und ich staune nicht schlecht, was die Orientalinnen für ein Temperament vom Leder ziehen in Sachen Eifersucht. Sie sei eifersüchtig wegen mir - lallt er. Weil sie meine Stimme gehört hat, als ich ihn frage, wo er genau hin will ... passiert so nicht das erste Mal so mit einem türkischen Fahrgast an meiner Seite. Neulich mußte auch schon ein nüchterner netter junger Mann erklären, mit wem er da genau redet - nachdem er gerade eine sehr liebevolle Aktion für seine Frau hinter sich hatte, um ihr defektes Auto wieder in Gang zu setzen.

Was ich sage, ist dies: Bei den orientalischen MitbürgerInnen scheint Eifersucht etwas krasser an der Oberfläche ausgetragen zu werden. Vielleicht gibt es dort auch noch erheblich mehr Kontrolle infolge von Besitzdenken bzw. Verlustängsten, gepaart mit traditionellen Mustern?  Nur so ein Eindruck, der nicht wahr sein muß, den ich aber habe. Obwohl - im Grunde genommen die gleichen Kämpfe, vielleicht etwas subtiler,  überall ausgetragen werden.

Das oben verlinkte Lied und der Text - gelten daher für alle Mentalitäten und Realitäten, in denen Menschen glauben, ein (Besitz-) Recht auf einen anderen Menschen anmelden zu können.

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