Sonntag, 24. Oktober 2010

Liebenswerte Pitbulls

An einem Halteplatz taucht ein junger Mann mit einem Hund auf und tauscht Gesten und Zeichen mit dem Kollegen vor mir an der Spitze aus - ne, der nimmt keine Hunde mit. Weitere Gesten und Zeichen an mich - auf seinen Hund deutend - beantworte ich mit einem Kopfnicken. Die beiden steigen ein, beide vorne, der Hund zwischen seinen Beinen auf der Fußmatte. Beim Einsteigen leckt das Tier mir kurz zur Begrüßung freundlich einen Finger. Ein hübsches Antlitz hat sie und große braune Augen, wie ich, wir schauen uns eine Weile mit diesen gegenseitig an. Scheint ein sehr freundliches "Kampfhunde-Exemplar" zu sein, eine Mischung auf Pitbull und Staffordshire, wie ich später noch erfahre. Der Hund bzw. die Hündin - ebenso friedlich und feundlich während der Fahrt - wie ihr Halter. Dieser scheint ziemlich dicht, mit was auch immer, und zieht sich, nachdem er seine Pitbüllin liebevollst gestreichelt hat, ein RoterBulleAufputschGetränk rein - es riecht wie immer extrem nach Gunmibärchen, wenn so eine Dose geheimnisvollen Liquids geöffnet wird. So, wie das riecht - wollte ich es nie trinken.
Er erzählt mir, daß sehr viele Kollegen ihn nicht zusammen mit seiner geliebten Hündin mitnehmen. Ich erwidere - daß es natürlich auch gut sein kann, daß meine muslimischen Kollegen von Haus aus bzw. kulturell keine rechten Hundefreunde sind. Und ich erzähle ihm von einer Begegnung mit einem weißen Riesen-Kampf-Kalb neulich (er kennt den Namen - ich hab ihn schon wieder vergessen), welches auch meine Grenzen gesprengt hat, weil dieses Tier für eine normale Limousine schlicht viel zu mächtig war und mit seinen scharfen Krallen locker mal die Lederpolster hätte aufreißen können. Dazu - war die ganze Rückfront voll mit den weißen Haaren. Ich habe also den - wirklich - freundlichen Menschen dringend geraten, beim nächsten Mal einen Kombi zu ordern. Womit ich nichts gegen das Tier gesagt habe. Und der junge Mann hat auch noch ein wenig die vielen Haare herausgebüschelt
Dieser junge Mann jetzt - ist selbst türkischer Abstammung und berichtet von einer sommerlichen Reise in seine knapp 5.000 km entfernte "Wurzelheimat" (Begriff soeben von mir frei erfunden, denn er ist einer von den zweifelsohne "Integrierten") - mit dem Auto und seiner Hündin. Das Tier ist normaleweise sehr freundlich, doch auf dieser Reise hat es immer wieder aggressiv-allergisch auf Uniformierte reagiert, sagt er. Ich lache und sage "Ein kluges Tier. Das geht mir auch so!" Auf der Rückreise- haben sie ihn und die Pitbull-Dame einfach durchgewunken, berichtet er.
Ich habe schon öfter Leute mit sogenannten "Kampfhunden" gefahren - und das waren sanftmütige, von ihren Haltern geliebte Schafe. Wir sind uns einig ob der alten Redensart: "Der Herr macht das Gescherr."

Ich habe auch vor Dreck stinkende Obdachlose mit ihren großen Kampfhunden gefahren - und es ist zugegebenermassen manchmal eine sehr "berstende" Energie im engen Raum ... aber alle waren korrekt! Und "irgendwie liebenswert".

Früher habe ich oft in Parks beobachtet, wie diese Tiere von  ihren Haltern regelrecht scharfgemacht wurden - als Waffe. Die Aggression geht also hier vom "Halter" aus - nicht von der Kreatur an sich. Kreatur = Schöpfung. Diese Typen (und meistens handelt es sich um Männer) sind m.E. zutiefst ängstlich.

2 Kommentare:

noschoko hat gesagt…

mutig! vor allem das in die augen schauen. ich dachte, das ist eine kampfansage bei allen hunden? du hast wohl liebenswürdig den kopf zur seite geneigt dabei?

lg aus wien, wo wir nun ein fragwürdiges kampfhundegesetz haben, das genau an den gefährlichen haltern, die ihre hunde ja auch meist nicht anmelden, vorbeioperiert

Sati hat gesagt…

Oh, es war einfach, wie es war. Nichts Mutiges - nur Neugier auf beiden Seiten und so eine normale Begrüßung, wie sie sich "gehört"
zwischen Hund und Mensch. LG, Sati