Heute habe ich sehr breit geschmunzelt und mich wirklich ein wenig gefreut über die plötzliche und etwas überraschende Ansprache von einem türkischstämmigen Kollegen jüngeren Datums, mit dem ich vor einigen Tagen zufällig ins kollegiale Gespräch kam. Er erschien heute plötzlich erneut an meinem Fenster, als ich die Spitze hatte auf einem der besten Plätze der Kolonie - ehemals Hexentanzplatz! - und begrüßte mich mit "Hallo, Liebste".
Zu meiner eigenen Überraschung klang das völlig in Ordnung und ich war erfreut, ihn zu sehen - für Sekundenbruchteile mußte ich aber mich erst einmal an ihn erinnern - immerhin habe ich ein paar Tausend Kollegen und Kolleginnen, genaugenommen - wenn ich die Tag- und Nachtschichten mit Stammbesetzungen in der Woche und an den Wochenenden sowie alle Aushilfen hineinnehme - um meine eigene Sanftmütigkeit zuordnen zu können ... Als ich also in sein Antlitz schaute und die anngenehme Stimme hörte, fiel mir Begegnung von neulich relativ schnell wieder ein - und somit, daß er ein sehr freundlicher Kollege ist, einer von diesen angenehmen Menschen, die einfach sympathisch und optimistisch sind - von Haus aus und/oder aufgrund ihres Naturells.
Und es fiel mir wieder einmal mehr auf, was die Limousinenlenkerei mich so alles lehrte bisher ...
Dieser nette und gutgelaunte Mensch zum Beispiel- darf mich gerne derart begrüßen, ja, es fühlt sich sogar einfach gut an. Mein seinerzeit erklärter Lieblingskollege - inzwischen kann ich auch besser streuen - begrüßte mich auf ähnliche Weise, mit einem "Hallo, meine Gute" oder eben " ... meine Liebe".
Das darf nicht jeder.
Jedenfalls nicht bei mir.
Das dürfen nur - diese großen Herzen.
Nur die, die auch lebendig klopfen.
Das sind - glaube ich - die, die das Leben lieben, egal wie schwierig es ist.
Die, die ihren Weg mit den Herzen durch alle Unbilden finden
Ja, von denen - höre ich es wirklich liebend gerne, wenn sie mich "meine Liebste" nennen!
Vor ein paar Jahren kam ein Kollege zu mir und sprach mich mit "Hallo, Mäuschen ...." an.
Meine Antwort war
"Wat für´n Mäuschen?!
Hier gibt es kein Mäuschen."
Und er war sichtlich erschrocken über diese Mauer, die sich da zementierte,
zwischen seiner und meiner Welt. ....
Ich auch -
aber ich habe die Kelle geführt und gemauert, weil es sich für mich so besser anfühlte.
In den Jahren der Limousinenlenkerei habe ich diesen Typen noch öfter gesehen -
und mir ein paar Mal mehr (herzliches) Geschick im Umgang mit diesen vielen verschiedenen Menschen auf all den Strassen gewünscht. Nicht daß es falsch war - diesem Schätzchen das so zu sagen .... das ist völlig ok.
Was die höhere Kunst ausmacht ist dies:
Menschen erst einmal grundsätzlich respektieren.
In ihrem ureigenen Kosmos.
In ihrer ureigenen Eigenart.
Wenn beides gesehen wurde
schüttet sich das erste Füllhorn der Götter aus:
Du siehst plötzlich die Schönheit in jedem Antlitz.
Mit Antlitz - schließe ich mindestens alle Wesen ein mit zwei Augen und einer Seele.
Und was vielleicht noch wichtiger ist in der elfenbeinfarbenen Lebensschule ist:
Manchmal - habe ich auch einfach keine Lust (mehr) auf Menschen - überhaupt.
Und ich weiß - auch das ist in Ordnung für eine Seele,
die in einer großen Stadt und in einem (Bundes-)Land lebt - wo ständig und überall Menschen herumkaspern .....
Samstag, 26. März 2011
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1 Kommentar:
Was für eine liebevolle Soziologie!
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