Freitag, 27. Januar 2012

Bei "Rossmann" knickte heute vermutlich der Umsatz ein ...

... gestern abend bei Maybrit Illner eine sehr interessante Runde zum Thema "Verquickung von Wirtschaft und Politik". Allen voran ging der Herr Rossmann ab wie ein Hütchen, um den Herrn Wulff zu verteidigen - Schuß ging eher nach hinten los. Tenor von Zuschauern dazu im Netz "Bei dem gehe ich nicht mehr einkaufen". Die Leute wachen auf. Nicht etwa, daß die enge Verbandelung von Wirtschaft und Politik neu wäre - aber die Schlammschlacht um die Person des Bundespräsidenten bringt mehr Bodensatz hoch, als vielen recht ist. Inzwischen fragen sich viele, ob nicht unsere Einheitspartei durch die Bank korrumpiert ist. Die Antwort liegt nahe.
Leider etwas zu kurz kam das Thema "Lobbyisten" rund um den ehemaligen Reichsparteitag. Einer von mehreren Tausend dort herumschwirrenden, mehr als gut verdiendenen "Interessenvermittlern" zwischen Wirtschaft und Politik trat auf und bekannte frohen Mutes: "Der der mehr Geld hat, kann da mehr kaufen". Gebandelt und verhandelt wird in edlen Clubs, deren Mitgliedschaftsbeitrag für genügend Abstand zum Pöbel sorgt. Dieser "Interessenvermittler" benannte sein Honorar: 650 Euro die Stunde, Tagessatz mal 10. Bei länger dauernden Projekten sei eventuell ein Nachlass  möglich.
Ein ehemals Grüner, heute CDU´ler und ein Schwätzer vorm Herrn fiel mir wieder ein, der von ganz oben herab auf Proleten und Prekäre schaut und sich dazu bekannte, daß er unter 3.000 oder 5.000 Euro Vortrags-Honorar gar nicht erst  vor die Tür gehe. Solcherlei Menschensorte bedeckt sich jedoch nicht, über Hartzler ihren gnadenlosen Stab zu brechen.

Ich weiß jetzt gar nicht, ob es diese unverfrorene Unverhältnismäßigkeit von Leistung und Bezahlung in diesem Staate ist, die ich (seit ich denken kann) zum Kotzen finde, und die ja gar nicht koscher sein kann - oder ob ich vielleicht ganz tief auf meinem eigenen Bodensatz neidisch bin, weil ich derzeit für 650 Euro nicht eine, sondern in der lauen Zeit an die 100 Stunden arbeite? (persönliche Ergänzung: Ich war auch schon oft im Leben unverhofft und sogar mehr als reichlich gesegnet mit Geld - reite also irgendwie auf den Wellen des Materiellen - überlasse es den Göttern, aus erlebter Erfahrung - und eigne mich definitv nicht für "Lobbying"  bzw. "Fremdes-Zeugnis-Predigen" gegen Geld)
Diese Fremdprediger sitzen dazu noch bei edlen bis feisten Speisen in furzweichen Sesseln in feinstem Ambiente, ohne Strassentheater. Sehen nicht jeden Tag die Schar der Müllsammler anwachsen, die sich mittlerweile kaum noch die Mühe macht, ihre Tätigkeit unauffällig auszuüben. Also die MüllsammlerInnen jetzt. Armut und die "Würdelosigkeit", anderer Leuts Müll aus den Eimern zu angeln, sind auf den Strassen in den vergangenen Jahren zum ganz normalen und immer öfter anzutreffenden Strassenbild geworden.

Ebenfalls zu kurz geraten ob der hochinteressanten An- und Ausfälle des Herrn Rossmann der Teil der Sendung, in dem nochmal die Verquickungen des Herrn Maschmeier mit dem Herrn Ex-Kanzler Schröder und der Einführung der privaten "Riester-Rente" = private Rentenzusatzversicherung angesprochen wurden. Ein Riesenfass für die Versicherungen. Aber auch das - ist nicht wirklich neu. Obwohl es für viele eben doch "neu" zu sein scheint.
Der Journalist Christoph Lütgert saß mit am Tisch, der die aufschlußreiche Doku "Der Drückerkönig und die Politik" über Maschmeier und Co. gemacht hat - und kam leider auch zu kurz.

Blamabel der "Restraum", der Oscar Lafontaine zugestanden wurde, wobei dieser glücklicherweise zum eigentlichen Thema zurückverwies. Für mich übrigens der einzige Politiker, der seinen Finger immer in die offenen Wunden gelegt hat.  Und der wahrlich auch kein Heiliger ist, sich aber auch nicht diesen Anschein gibt.

Das Interessante an dieser Sendung waren die Menschen, die die "ganz normalen kleinen Vergünstigungen" verteidigten und ihr Verhalten. Teils kaltschnäuzig, teils ausfallend. Zuletzt habe ich sowas "Lebendiges" glaube ich in den 80ern im Televisionsapparat gesehen .... und je länger bzw. grundsätzlicher, also nicht nur auf eine Person namens "Wulff" gerichtet, dieses Thema hochgerührt wird, desto mehr Privilegiengeniesser werden vermutlich noch ihre Maske fallen lassen aus Wut. Desto mehr Leute beginnen vielleicht, mal selbst nachzudenken, wie weit wir gekommen sind und wer, wie eh und je, profitiert. Wieder nichts Neues, aber in dieser Zügellosigkeit schon extra-ordinär.

Als psychologische Studie empfehle ich die Sendung wärmstens weiter.

4 Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Sati, ich bin ja bekennende Freitag NDR "Drei nach neun-Zuschauerin". Da trat unter anderem auc Veronika Ferres auf, die ich sehr mag und auch sehr schätze. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass sie mit Maschmeier zusammen ist, verspielt sie nach und nach sämtliche Sympathiepunkte.
Übrigens, heute kannst du bei mir entziffern, wie ich heiße *lach*
Gute Nacht sagt Clara

Sati hat gesagt…

Liebe Clara - bleib einfach bei deiner Sympathie für die Veronica F.. Mensch weiß nie, warum ein mensch mit mensch zusammen kommt Meistens gibt es etwas zu lernen, was andere menschen eh nicht sehen können.
Ich verurteile auch nicht den Herrn Wulff als Menschen - finde ihn nur als "ethischen Repräsentanten eines Staates" ein wenig fehl am Platz.
Und zu Maschmeiers - vermag ich gerade nichts mehr zu sagen.
Das Rätsel löse ich nach ein paar Stunden hirnentspannenden Schlafes ... sage Dir morgen, ob ich die Lösung habe.
Schlaf gut, Sati

Wildgans hat gesagt…

Wenn der Oskar nicht so wäre, wie von Dir beschrieben, hätte ihn sich wohl kaum die kluge Sarah ans Herz genommen...

Sati hat gesagt…

@ wildgans: Das gönne ich beiden von Herzen. Diese seltsamen Beiträge, die eine leidenschaftliche Verbindung von zwei klugen Menschen in die Kiste "Alter Sack und junge Schöne" oder umgekehrt packen, sind mir viel zu simpel. Geistige Anziehungskraft, die sich in himmlische Erotik ergiessen kann, wird m.E. völlig unterschätzt. Was hat das mit ein paar Falten zu tun?
Ein gänslich erbauliches WE wünsche ich Dir, Sati