Freitag, 3. Februar 2012

Crazy Dailies

Setze am Morgen als zweite Limousine an. Ein junger Mann klopft an die Beifahrertür und ich bedeute ihm, daß mein Kollege zuerst dran ist. Er öffnet die Tür und erwidert, er wolle aber lieber mit mir fahren. Ist ein wenig auf Speed ... Über einen Zwischenstop fahre ich ihn zum Ziel, eine kurze Fahrt. Als er von seinem Zwischenstop wieder aus dem Haus kommt, erzählt er, wieso er nicht mit dem Kollegen fahren wollte: Wegen dem Turban. Ich lache, denn offenbar habe ich es mit einem leicht rassistischen Türken zu tun - sage noch "Das ist seine Kultur - es ist ein Inder!!" Ja, aber die würden nicht zuhören, das kenne er schon. Und wenn er dem das mit dem Zwischenstop hätte erklären sollen, dann wäre er ja ewig unterwegs gewesen. Ich merke noch an, daß es sich um einen sehr netten und lustigen Kollegen handle und daß der Turban bei Minus 10 Grad sicher eine ganz wärmende Vorrichtung sei. Ja, aber .... der soll sich lieber eine "normale Mütze" aufsetzen. 

Am Vormittag gehe ich ein paar Schritte am Halteplatz und sehe den Obdachlosen, der seit vielen Jahren vorm Wärmeschacht eines Lokals um die Ecke schläft. Kurz treffen sich unsere Blicke - und ich denke: Der ist in sieben Jahren um fast 20 Jahre gealtert. Ich sehe die ja ständig und beobachte das. Scheißkalt!

Mittags hole ich Rentner aus ihren Stammkneipen ab und bringe sie vom Frühzechen heim. Der erste ist harmlos. Der zweite im Grunde noch harmloser, weil schon recht wirr - aber es juckt ihn unübersehbar im Schritt. Er greft sich also während der Fahrt mehrmals mit beiden Händen recht lustvoll in die Lenden und sieht mich von der Seite lachend an. Ein großes, fast glattes Kindergesicht. Ich schaue auf die Strasse, sehe alles im Augenwinkel und denke mir das Meine. Wie gesagt, der ist harmlos, ich fuhr den schon vorher. Das Jucken -  gönne ich ihm von Herzen - vermutlich werden wir uns eines Tages alle mal freuen, wenn wir es trotz weit fortgeschrittenen Alters nochmal verspüren. Bevor er aussteigt - lacht er nochmal selber drüber und murmelt was von "Jück".

Am Nachmittag werde ich zu einem Kinderheim bestellt, Fahrt auf Rechnung des Jugendamtes. Ein Mann kommt auf dem Vorhod zu mir und meint, es hätte noch einen Vorfall gegeben und deshalb würde es noch ein wenig dauern. Mache irgendwann die Uhr an, warte. Nach gut 15 Minuten gehe ich zum verschlossenen  Schultor und treffe auf zwei nette Kinder, die mir nicht weiterhelfen können. Eine Frau kommt des Wegs und erkundigt sich, ob sie helfen könne. Ja, ich warte auf .... sie fragt nach und verkündet "Die kommen jetzt." Gut.
Eine Welle überrolt mich. Der Kaukasische Kreidekreis.
Ein Junge und zwei Mitarbeiter vom Jugendamt, ein Mann und eine Frau. Frau und Junge setzen sich nach hinten - als die Mutter des Jungen tränenüberströmt und völlig aufgelöst hinterherstürzt, den Jungen wieder aus dem Auto holen will. Sie ist Ägypterin und ein Schwall von unverständlichen Lauten ergießt sich über den Jungen und die Anderen. Sie reißt an dem Jungen und an der Limousinentür herum. Die Anderen reden auf sie ein, versuchen, sie zu beschwichtigen. Ich denke nur "Was für eine Riesenscheiße - der arme Junge!" und drücke dann auf den Knopf, der die Tür verschließt. Ein Drama ohne Ende wäre es geblieben. Der Mann fragt - ob ich die Tür verschließen könnte. Habe ich schon. Er setzt sich nach vorne - ich versuche, anzufahren, wähend diese Frau weiter an der verschlossenen Tür rüttelt.  Ein sehr lautes Gebrüll ertönt aus meinem Bauch - besser, wenn jetzt mal alle die Schnauze halten. Ich fahre los. Der Junge wird über´s Wochenende erst mal zu seinem eigenen Schutz von den Eltern ferngehalten - heißt es. Ich habe keine Ahnung, wie die Geschichte dazu ist, aber es fühlt sich insgesamt traurig an. Der Junge ist sehr tapfer. Montag wird es einen neuen Termin geben, soviel kriege ich mit.
Danach - bin ich müde. Müde, ungewollt in den Geschichten der Anderen zu sitzen. Wenn Kinder im Spiel sind, bin ich besonders müde.

Zwei nette junge Männer in ihrer noch jugendlichen Unschuld retten mich ... eine lockere, gute Fahrt nach Durchlüften des Innenraumes trotz Minustemperaturen - aber diese Scheiß-Energie muß raus.

Der ernsthaft-uniformierte Auftritts-Karnevalist versucht zunächst, ein Gespräch zu eröffnen, läßt es dann aber wieder. Mir steht wahrlich nicht mehr der Sinn danach, mich auf jeden Zusteigenden einzuschwingen.
Die anderen 10 oder 15 Touren - habe ich schon so gut wie vergessen. Gut so.

Fahre die Limousine zu ihrem Übergabeort - und vorm Rad steht eine verlassene Tasche. Ich will nur noch nach Hause - werfe mein Auto an, welches gleich daneben steht ... und denke "Wenn die jetzt einer netten Großmutter gehört und sie hat wer-weiß-was-Wichtiges dadrin ... vielleicht mit Adresse oder Telefonnummer?" Steige also nochmal aus und öffne diese Tasche auf dem Heck der Limousine vorsichtig, fasse unter die obenliegenden Klamotten ... und fasse in irgendwas eklig Nasses. Ne - jetzt habe ich keine Lust mehr. Schluß.
Komme aber nicht recht weg vom Fleck, weil gerade der Rettungswagen seinen Weg durch den Freitagabend-Verkehr bahnen muß. Als dieser schon lange weg ist, tönt die Sirene weiter in meinem Kopf, bis nach Hause.

Die Stadt - ist schon lange nicht mehr meins.
Auf den letzten Metern zu Fuß zu meiner Höhle - tobt der Karneval und die Gaststätte am Eck ist bereits prall vollgestopft mit Kostümierten, die die ewig gleichen kölschen Heimatlieder seit Jahrzehnten singen - wenn sie genug intus haben.
Irgendetwas sagt mir, daß der Karneval in diesem Jahr nochmal besonders und extra-ordinär der Kompensation von Kälte dienen wird. Die aktuellen Temperaturen erscheinen dazu fast perfekt.

2 Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Der hat jetzt meinen Kommentar geschluckt, weil ich irgendeine Gugel-Datenschutzerklärung unterschreiben sollte.
Blogspot ist manchmal sehr gewöhnungsbedürftig. - Jetzt schreibe ich nicht alles noch mal.
Eine gute Nacht, Sati,wünscht dir
Clara

Sati hat gesagt…

Hola, CC!
Das kenne ich ... habe mir daher angwöhnt, einen Kommentar vor dem möglichen Senden ins Nichts einfach nochmal kurz mit der Maustaste zwischenzukopieren. Macht wenig Arbeit und erspart den Frust des Verlustes.
Einen sonnigen Saturntag wünsche ich Dir, Sati