Montag, 27. Februar 2012

Mad World - Enlarge it ...

Heute morgen gegen 7 Uhr hörte ich in der Limousine diese sehr (be)ruhige(de) Cover-Version eines meiner mich begleitenden "Spätjugend-Lieder" - und stellte fest, daß der Text noch aktueller geworden ist als seinerzeit vor etwa 30 Jahren. Das etwas lautere Original von "Tears for Fears" kann mensch hier hören.
Lustigerweise lud mich gestern morgen meine erste Fahrgästin nahezu penetrant auf eine Party im März ein, bei der sich quasi meine Generation via Facebook über den nächsten Termin und die Lokalität informiert. Sie war völlig begeistert von diesen Parties, bei der die Musik der 80er und 90er gespielt wird und wo sich wohl alle treffen, die das damals miterlebt haben - und die weiterhin nostalgisch längst vergangenen Zeiten hinterherhängen?. Ich bedankte mich für die wirklich freundliche Einladung dieser auch nach durchgemachter Nacht noch wunderschönen Frau, sie wollte mich dazu gar eintrittsfrei halten. Ich ließ es mal offen ... um des Friedens willen. Es ist nur so: Meine Partyzeit ist schon lange vorüber, weil zutiefst gesättigt bereits seit frühester Jugend, und sie hat erklärten Nachholbedarf. Ich wünschte ihr also noch sehr viele tolle Parties zum Abschied. Das nur am Rande, weil das o.g. Original für mich in recht wilde - und glücklicherweise lange abgeschlossene Zeiten anderer Sehnsüchte und Suche - fiel. Exakter: Suche und Sehnsucht bleiben, aber in anderen Formen.

Tatsächlich brauche ich morgens eine Weile, um mich zu sammeln, bevor ich in dieses seltsam kreisende Rad einsteige mit den schicken, neuen Mercedes-Limousinen. Eigentlich steige ich schon auf dem Weg dorthin ein ins sinnlose Kreisen, ob ich nun mit meinem Auto zu der einen Limousine fahre oder zu Fuß zu der anderen gehe - die harte Grenze bleibt die gleiche: Eine sechsspurige, bereits am sehr frühen Morgen stark befahrene Haupt-Trasse der Kolonie. 
Fahre ich in meinem eigenen Auto zu der einen Limousine, habe ich quasi noch einen Schutzmantel aus Blech um mich herum, mit dem ich mich zügig in volle Fahrt begebe. Gehe ich aber zu Fuss zu der anderen Limousine - was ich lieber und öfter tue -  ist der Kontrast spürbarer, da er sich erheblich langsamer und in mehreren Stufen vollzieht.
Es beginnt mit  dem Wechsel aus Traum- zu Wachbewußtsein in meiner Höhle. In diesen Tagen oft mit einem herrlichen Vogel-Morgenkonzert über den Hinterhöfen, wenn alles noch ruhig ist und viele noch schlafen. Ich trinke in Ruhe ein, zwei Tassen Kaffee und  gehe noch mehr Ritualen in dieser Morgenstille nach. Etwa genau so lange, bis ich weiß, jetzt - kann es losgehen. Vor die Haustür auf die Strasse tretend - schaue ich meist erst mal in den Himmel, um den Tag zu begrüßen. Dann gehe ich auf ruhigen Seitenstrassen um verschiedene Ecken, manchmal treffe ich auf ein paar Menschen, sogar manchmal auf bereits gutgelaunte. In den frühen Stunden der Tage  begrüßen sich die wenigen herumlaufenden, sich fremden Menschen auf der Strasse viel bereitwilliger als später, im vollen Lauf der Hamsterräder, wenn alle sich aneinander vorbeilavieren. .
Wenn ich um die letzte Ecke der ruhigen Seitenstrassen biege, weiß ich, daß mir gleich diese sechsspurige Strasse die Grenzlinie sein wird. Habe ich sie, immer wieder neu verwundert, wieviele Autos da schon irgendwohin rauschen, überquert - komme ich nochmal in den Genuss eines Grünstreifens, in dem ich vielleicht eine Ratte, ein paar Hasen oder gar einen späten Fuchs auf seinem Weg zum Bau treffe.  Besonders aber die Bäume, die da hartnäckig allem Irrsinn trotzen und einfach still stehen.
Danach gibt es kein Entrinnen mehr .... das Kreuzen in alle Richtungen ergiesst sich über den ganzen Tag.
Manchmal - wie heute gleich dreimal - erwische ich Halteplätze, an denen ich seligst in eine Art kurzen Tieftiefschlaf falle ... was für ein Genuss. Sogar eine Art  Privileg der freien Wartezeit-Gestaltung.  Niemand treibt mich währenddessen an zu weiteren Drehungen im Hamsterrad.. 
Der Rückweg nach der Schicht gestaltet sich je nach Jahreszeit anders. Im Sommer - muß ich auf diesem durch weitere Menschenmassen im Grünstreifen hindurch, die dort Spielen, Grillen, sich sonnen .... Im Winter trifft Du nur die Leute mit den Hunden - oder sehr sportliche. 
Nach einem Tag auf den Strassen der Eilenden ohne Ziel in eine Höhle im Hinterhof einzuklappen - kann ein Segen sein. War oft einer. Bis auf die Parkplatzsuche nach der Schicht - mein Rekord bisher war eine Stunde durchs Viertel zu fahren - um den letzten zu erwischen, am anderen Ende - und dann doch wieder ein gutes Stück zu Fuss nach Hause zu gehen. Es gibt nicht wenige Stadtbewohner, die davon derart traumatisiert sind, daß sie ihr Auto eine Woche lang auf einem einmal erwischten Parkplatz stehen lassen und lieber mit der Bahn oder mit dem Taxi zu ihrem aktuellen Ziel fahren. Mad World .... s.o.
Hier nochmal ein schöner Spruch dazu: "Wir sind doppelt so schnell geworden - aber wir haben vergessen, wo wir hin wollen."
Also ist es doch sehr weise, ab und zu einfach großzüzgig Zeit zu verschwenden an die eigentlichen Momente des Lebens und des Lebendigseins, finde ich. Zum Nachtisch deshalb ein sehr entspanntes Stück dazu von Jack Johnson: ... wasting time ....

2 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Hätte man früher, sagen wir mal im 18.Jahrhundert einem Menschen erklärt, es wird mal eine Zeit kommen, die dadurch gekennzeichnet sein wird, dass, wenn man sein Ziel erreicht hat, man dennoch nicht angekommen ist - sprich das eigentliche Ziel (Wohnung) einfach nicht betreten kann, wer weiß wie der Mensch reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte er einen für verrückt erklärt. Heutzutage ist das aber der Normalzustand.

Sati hat gesagt…

Normalzustand ist schon ein komisches Wort für allseitigen Wahnwitz ... aber so isses.
Schönes Beispiel mit den Zeitreisenden aus vergangenen Jahrhunderten! Und so lange - ist das alles noch nicht her.
Einen schönen Tag für Dich, Sati