"Warum mußtest Du auch - in die Pampa ziehen!?" - aaahh .... gut. Es ist ausgesprochen. "Mein Unternehmer" - äußert klar seinen Unmut. Zuvor kamen moderatere Kommentare des Unverständnisses. Jetzt - äußerte sich die bare Ungehaltenheit über derartige "Unvernunft".
"Würdest Du noch in der Stadt wohnen, wäre das alles gar kein Problem!!!" Genau - das wäre vernünftig - und ungesund für meine Seele.
Also - wir geraten kurz aneinander - mit meinen gerade vorhandenen Ängsten bezüglich des neulich platten Reifens .... mit diesem weiterzufahren. Nicht nur diese - auch andere, existenzielle Ängste zeigen sich, schon lange im Bauch angesammelt. So - erlebte ich gestern einen Tag mit diffusesten, tiefsitzenden Überlebensängsten - nach dem kürzlichen Fast-Plattgefahrenwerden und diesem Vorfall mit dem Reifen .... dem Tag - war einfach nichts Lebendiges zu entlocken - bis am Abend *** anderer Post *** - ich blieb platt, im Gegensatz zum Ersatzrad. Derart geplättet - mental - daß ich anfragte, ob er eventuell einen Ersatzfahrer hätte? Nein. Ok. Daraufhin - sein "Wutausbruch" über meinen Wegzug in die "Pampa". Ich antworte nur - ok, es war eine Frage - hätte ja sein können, daß es eine Alternative gibt. Und jetzt - bin ich ja erstmal am Fahren.
Wenige Stunden später hält ein Radfahrer neben mir in der City, als ich gerade auf dem Halteplatz eingebremst habe- es ist der Unternehmer, mit dem ich zusammenarbeite. Moderat jetzt, verständnisvoll - wenn es mir nicht gut ginge, dann wäre das eben so. Ich hatte zuvor ihm noch am Telefon gesagt, daß ich nicht etwa "krank" sei - aber angeschlagen. Jetzt meint er - moderat - ich würde ja ansonsten "durchziehen". Ja. Tu ich, wenn´s einigermaßen läuft. Antworte - ich habe mir überlegt - eventuell den Sonntag auszusparen auf der Limousine. Und teile ihm mit, daß ich nach nun etwa 7 Stunden einen "Rekordumsatz" von 35 Euro habe ... Es kommt der Spruch, den ich erwartete, weil er immer kommt: "Du hattest halt keine Lust." Ja, genau - so ist es: Deshalb beginne ich ja jeden Tag neu und frisch. Antworte "Nur, damit Du es jetzt schon weißt ... da kommt nicht mehr viel heute. Und ich habe keine Lust, mir genau solche Sprüche dazu anzuhören. S´läuft halt nix - ein echter Ferientag." Habe ihn vor vielen Jahrzehnten nie derart orakelnd erlebt und - fälschlich - für einen akuten Realisten gehalten.
Er ist ein "Guter" - habe nichts an ihm auszusetzen. Außer manchmal derart blöde Sprüche wie "Du hattest eben keine Lust". Aber er hat auch schon mit ganz anderen Menschen und Naturellen zu tun gehabt - und diese lange Zeit quasi mit durchgetragen.
Heute - habe ich mir tatsächlich einen Tag geschenkt - und mich zuvor mit der Entscheidung gemartert, weil sein Einkommen ja mit dran hängt. Er überließ es meiner Verantwortung und Entscheidung gestern. Gemartert mit der Entscheidung - weil ich - immer noch - zutiefst korrekt konditioniert bin. Was ich auch gut finde so. Aber: Es gibt seltsame Tage - und zum Glück sehr wenige - an denen sich ein derartiges Gefühl einstellt, daß ich besser zuhause bleibe, statt mich erneut auf die Straße zu begeben.: Sagen wir: Tage mit Todesvorahnungen - auch, wenn es höchst pathetisch klingt.
Tage, an denen mich das ansonsten selbstverständliche Lenken einer Limousine - erschreckt.
Solche Tage - erlebe ich alle paar Jahre und höchst selten. Am Freitag war der erste - von dreien. Und ohne den platten Reifen - hätte ich es vermutlich gar nicht begriffen, da ich ja diese Art von Maschinen ansonsten mit einer Art traumwandlerischen Sicherheit und Aufmerksamkeit bediene.
Warum ich denn ich ausgerechnet in die Pampa ziehen mußte - die noch gar keine wahrliche Pampa ist?
Weil es mich zog. Schon lange. Und weil mich so rein gar nichts in die Stadt zurückzieht.
Weil es Balsam ist. Und weil es mir sovieles zeigt ... was längst begraben ist. Und auch alles - was mich noch begleitet. Gerade am Freitag abend - mußte ich laut lachen über den Zynismus der Götter - nach dem plattem Reifen bescherten sie mir noch ein Anderes: Vorm Schlafzimmerfenster gibt es ein langgestrecktes Baracken-Gebäude - ich fragte mich schon länger, wozzu es wohl dient - und sah am Freitag abend einen Schatten durch´s kleine Femster huschen. Dann noch einen. Schnell .... können keine Menschen sein. Es ist - eine Kegelbahn - von der Kneipe an der Straße.
Ich bleibe also - zunächst - durchaus umzingelt von Leben und lärmenden Menschen. Auch in der "Pampa". Doch so weit unterm Himmel, daß mich niemand von ihnen in traumseligem Schlafe stört.
"Warum mußtest Du auch - in die Pampa ziehen?"
Eine goldwerte Frage.
Und es braucht nicht einmal eine klugscheißerische Verwandschaft dazu - es reicht ein Geschäftspartner.
Ich würde sagen - weil ich noch viel tiefer in die Pampa will. Dies hier - kann nur ein erster Schritt sein.
Und Unvernunft - gehört dazu.
Wohin bringt uns denn die "Vernunft"?!

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