Sonntag, 15. Juli 2012

Schnell mal schlichten ....

Eine ältere Dame und ihre Tochter steuern zaghaft auf mich zu - ich verweise auf den Vordermann, der auf der Spitze steht. Sie machen drei, vier zögerliche Schritte in dessen Richtung, um dann doch zu mir zu kommen. "Kann ich mir denn das Taxi nicht aussuchen?" "Doch, können Sie." Sie wollen lieber bei mir einsteigen. Ich sage dem Kollegen Bescheid "Frauentaxi" - und erkläre den Damen nochmal, daß wir fairerweise auf die Spitze verweisen, da diese ja schon länger auf Kundschaft wartet.  Sie erzählen recht zügig von "Horror-Fahrten" mit Kollegen, und sie fahren öfter. Scheinen ausschließlich negative Erfahrungen gemacht zu haben. Hmmhh ... normalerweise reagiere auf sowas nicht mehr. Ich antworte also lediglich "Wissen Sie, ich habe mir abgewöhnt, etwas Schlechtes über meine eigene Zunft zu äußern." Besonders, wenn solche Bemerkungen fallen, daß einige vermutlich nicht mal eine Lizenz hätten, sich ja überhaupt nicht auskennen würden usw. Ich merke aber hier, daß die tatsächlich etwas geschockt sind aufgrund von schlechten Erfahrungen. Jemand verweigerte die Rückgabe des Kleingeldes, machte kein Fenster auf und rauchte fleißig während der Fahrt. Na gut, sage ich, daß geht natürlich gar nicht. In wirklich üblen Fällen können Sie ja der Zentrale Bescheid geben. Ja - als sie dem Fahrer gesagt habe, sie würde sich beschweren, hätte er plötzlich doch Kleingeld gehabt. Tsss .... das wäre mir persönlich viel zu arm, wegen ein paar Cent einen Umweg zu machen oder Kleingeld zurückhalten zu wollen. Sage den Leuten das ggf. auch, wenn mir mal wieder vorauseilender Argwohn entgegengebracht wird  - daß ich sowas gar nicht nötig habe.
Ich fahre die beiden zum Blumengeschäft - sie fragen, ob ich sie wohl in 5 Minuten wieder zurückfahren könne. Ja, sicher. Drehe eben eine kurze Runde und bin gleich wieder hier. Sie freuen sich - ich mich auch, dann brauche ich mich nicht anstellen und kann in Ruhe zwischenzeitlich sanitäre Anlagen aufsuchen. Gebe ihnen auf Wunsch meine Handy-Nummer, wenn sie wieder mal fahren wollen. Mache ich eher selten - schon gar nicht bei Kurzfahrten, da ich ja die ganze Stadt abfahre und nie weiß, wo ich gerade stehe. Aber was soll´s, vielleicht ergibt es sich ja. Vielleicht sollte ich einfach mal einen "Kundenstamm" aufbauen - solange ich noch im Job bin. Schaden kann es wohl nicht. Bislang - habe ich aus naturgegebener Unverbindlichkeit lieber auf sowas verzichtet.
Da die Damen sich vorwiegend über die ausländischen Kollegen beschweren, erzähle ich ihnen ausnahmsweise noch, daß ich sehr viele sehr höfliche, korrekte  solche Kollegen kenne - und daß viele von denen eine ausgezeichnete "Kinderstube" gehabt haben müssen, von der wir sogar nochwas lernen können. Es gibt eben überall solche und solche - und daher beziehe ich das nicht auf Nationalitäten, sondern immer nur auf die jeweilige Person. Das - sehen sie sogar ein. Gut. Dann habe ich wenigstens meine Energie nicht verschwendet. Und potentielle Kundschaft für unsereins wieder zurück ins elfenbeinfarbene Boot geholt - bevor sie sich einen Mietwagen bestellen. Ähnliches passierte mir am Vortag gleich zweimal - Kunden, die eine Ewigkeit auf ein Taxi gewartet hatten - einer gleich eine Stunde, weil drei vorher zu blöd waren, ihn an der genannten Adresse im Hafen aufzulesen. Er regte sich darüber auf, was sehr  verständlich ist. Meint "Da muß erst eine Frau kommen - um das hinzukriegen." Tja ... wir denken eben eher mit. Sage zum Abschied noch, nach lebhaftem, anderem Gespräch "Beehren Sie uns doch bitte wieder - wir sind nicht alle blöd."
Ich denke, er ist einigermaßen versöhnt, denn er lacht schon wieder.
So ist es eben - wie im richtigen Leben. Manchmal klappt´s - und manchmal scheinbar nicht. 
Und die Menschen wollen eben mit ihren Anliegen wahrgenommen werden. Alle - und jede(r). Ständig. Manchmal - zu recht. Ich übe mich - in Mediation. Kann auch nicht schaden.

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