Mittwoch, 22. August 2012

Fuhr´e escht kölsch Mädsche ...

... Ende siebzig ist sie. Interessanterweise - altern die Menschen in der Kolonie nicht, das ist anders als anderswo. Du bleibst ein "Mädsche" oder ein "Jung". (Do bleevs e Mädsche od´r ene Jung). Oder aber Du wirst angesprochen mit "Junge Frau" bzw. "Junger Mann" - egal wie alt Du bist. Hat was Liebenswertes - wenn es auch manchmal etwas albern erscheinen mag. Jedenfalls - weiß ich keinen anderen Ort auf Anhieb, der derart kostengünstig und klar definiert seit Jahrhunderten schon ein solches "Anti-Aging-Brauchtum" pflegt.
Et kölsch Mädsche - wor es besche bissisch .... frech, bissig, klare Wortwahl ohne Schnörkel und mit zahlreichen Schimpfwörtern vertraut. Lebendig und temperamentvoll, sehr attraktiv "für ihr Alter" und sie trug wunderschöne Sommerfarben. Lebendig funkelnde, wache braun-grüne Augen und ein wacher Geist. Nachdem ich im Vorbeifahren an verschiedenen Plätzen der Stadt schon einige Anekdoten aus ihrer Kinderzeit vernommen hatte, fragte ich sie, was sie denn wohl für ein Jahrgang sei? Ich solle schätzen. Sage ihr, daß ich nicht gerne in Fettnäpfe trete ... schätzen ist schwierig ... ob sie vielleicht gerade dabei sei, Komplimente zu erhaschen? Ja, warum denn nicht?! Auf blödes Gelabere (Gerede) stehe sie allerdings keineswegs. Ich ergänze - sowas liegt mir auch sehr fern.
Ich gebe ihr mal 75. Sie sieht aus wie 75 und dabei äußerst attraktiv. Sie hätte auch 85 sein können, ich wäre nicht sehr verwundert gewesen, denn ich traf schon oft auf Menschen, die sich erstaunlich gut gehalten haben. In Wahrheit - interessierte mich ihr lebhaftes Temperament. Dieses kochte auch sofort hoch "Was das überhaupt für ein blöder Scheiß sei immer, von wegen Alter!"
Im Inneren - fühle sie sich erheblich jünger. Ja - das glaube ich gerne. Sie berichtet noch ein wenig von Männern, bei denen sie eine solche Frage noch viel blöder findet. Und daß sie es gar nicht nötig hätte, sich irgendwelches Gesülze anzuhören. Ja - das glaube ich ihr auch gerne.
Am Ende läuft sie in ihrem temperamentvollen, ungebrochenen Zorn zur Höchstform auf und erzählt von einem Arzt, der durch Kurpfuscherei dafür gesorgt hat, daß sie seit ein paar Jahren gehbehindert ist. Sie befindet sich in Klage gegen diesen. Zu recht - und wie meistens, schwierig.
Ich denke - sie ist zwar ein bischen anstrengend, aber ich freue mich dennoch - über eine echte Kölsche mit sehr typischem, hiesigem Temperament. Das - findet sich nicht mehr allzu oft und ich mag es, weil es so gnadenlos ehrlich sein kann.

Keine Kommentare: