Der Tag - an dem ich nochmal in Gedanken bei meinem einstigen Meister auf Cuba weile - weil er diesen zelebrieren wird.
Und einer - an dem ich an die einzige Taxi-Kundin denke, der ich bisher in acht Jahren wirklich und auf überraschende Weise persönlich verbunden bin. Ihr Namenstag heute. In wenigen Tagen werden wir wieder zusammen unterwegs sein - und ich werde ihr ein paar "Barbarazweige" mitbringen.
Die Dame, die mir am Tag des neulichen Raubes am Morgen noch ein Glücksschwein schenkte.
Eine einerseits vom Leben geschlagene Frau - und andererseits .... ist das wirklich so?
Oder ist nicht einfach das Leben verrückt und voller seltsamer Wunder?
Jedenfalls - ist sie ein Mensch - der im Moment weilen muß. Es geht gar nicht anders. Mit gerade 65 Jahren - recht gehandicapt. Steht vermutlich unter schweren Psychopharmakas. Seltsamer Kontrast jedes Mal - eine sehr kraftvolle, tiefe Stimme, für Momente völlig präsent - und dann wieder ganz herausfallend aus jeglichem "linearen Zusammenhang".
Fahre sie manchmal zu ihrem behinderten Sohn - am anderen Ende der Stadt - wo sie ihn besucht - und dann wieder zurück. Am Wochenende - holten wir den Sohn dort ab - und ich fuhr beide zu ihr nach Hause. Nach vielen Nachrichten auf meinem Handy-AB - mitten in der Nacht - sie schläft manchmal über mehrere Tage nicht - und dann legt sie sich auf den Boden, um endlich doch zu schlafen. "Normale" - würden sie vermutlich als verrückt bezeichnen. Ich nenne sie lieber "Seele". Erstaunliche und höchst überraschende Sätze von sich gebend manchmal. Erstaunliche Beobachtungen kund tuend. Bin nicht verwundert - daß ausgerechnet sie und ich eine gewisse Affinität haben. Im Gegenteil.
Am Sonntag - erfolgte dann am Nachmittag der -zigse Anruf auf meinem Handy - sie und ihr Sohn seien nun doch mit jemand Anderem im Taxi unterwegs - entgegen unserer Verabredung - ihnen sei schwindelig geworden und es täte ihr leid. Ich meine nur - alles klar, kein Problem.
Am nächsten Tag - ruft sie wieder an und will sich gar entschuldigen - wieder sage ich "Alles klar - kein Problem - aber ich fahre gerade - und kann daher nicht länger telefonieren."
Am Abend - als ich schon zuhause bin - habe ich das spontane und echte Bedürfnis - ihr das nochmal in Ruhe zu übermitteln. Kein Grund - für eine "Entschuldigung" - habe alles gut verstanden. Zwei Menschen - die sich mühsam ihre Wege durch´s Dickicht des sogenannten "Normalen" kämpfen müssen - und dabei fast umfallen vor Erschöpfung ....
Sie hatte einen sehr netten, jungen Kollegen erwischt, erzählt sie mir. Und dieser hat ihr für die Rückfahrt nur 10 statt 30 Euro berechnet. Ich freue mich - mit. Die "Differenz" von 20 Euro - will sie mir auf jeden Fall geben beim nächsten Mal. Ich - bin perplex - und ehrlich gesagt - könnte ich fast heulen.
Diese Dame - die ihr Leben auf harte Weise zu meistern hat - sagt mir noch mit einem Lachen am Telefon: "Jaaaaa, Sati - das Geld liegt auf der Straße."
Übrigens - das ist glaube ich die eigentliche Verbindung zwischen uns - wir können gut zusammen lachen.
Inmitten aller Verwirrungen - die das Leben so mit sich bringt.
Und sie - ist auf ihre Weise - wild und ungebändigt. Das erste Mal fuhr ich sie vom Krankenhaus nach Hause - und zurück. Sie war abgehauen. Wie jeden Tag .... Unsere erste Verabredung ließ sie platzen - ich fuhr zum nächsten Halteplatz und erblickte sie dort überrascht - ein Zigarillo rauchend. Dann kam sie doch noch zu mir und fragte "Waren wir nicht verabredet?" Ja - meine ich, irgendwie schon. Und dann fuhren wir doch los.
Bei unserem letzten Ausflug eröffnete sie mir - daß sie sich oft sehr schwer tut mit vorab gemachten Terminen und viel besser spontan unterwegs sein kann im Leben - ich stimme gerne zu.
Das Pflegepersonal ihres Sohnes - stimmte nicht wirklich zu - war eher genervt und unflexibel "Aber sie haben doch gestern noch gesagt ..... " - dennoch klappte alles prima.
Für mich - erstaunlich - diese Frau.
Wie sie - ihr Leben hinbekommt - inmitten von soviel "Chaos" - jenseits von "normaler Linearität".
Und dabei immer wieder - diese Seelenäußerungen.
Es gibt nochwas zu tun - sie braucht dringend ein paar helfende, zupackende Hände.
Werde ihr meine einstigen Umugsengel ans Herz legen beim nächsten Mal -
zwecks Erleichterung. Diese - kommen allerbestens klar mit "Nicht-Linearität".
Und - wie geschruben - dies ist eine recht klare Ausnahme von der Regel -
ich habe nämlich kein "Helfersyndrom" - und sie braucht auch nicht meine Hilfe.
Es ist einfach - ein "Ergebnis" - ergibt sich so, wie es halt ist.
Hut ab - am Barbaratag.
Vor allen - die jenseits des Linearen ihr Leben meistern.

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