Samstag, 27. November 2010

Ein neuer Kollege ....

.... zieht heute an einem Halteplatz mit Sonder-Anstell-Einreih-Lade-Regelung an mir vorbei - und tut das, was ein vernünftiger Mensch, der mit den sonderlichen Sonderregelungen noch nicht vertraut ist: Er stellt sich hinten in die ersichtliche Reihe. Ich steige aus und gehe vom Sonderregelplatz zu ihm, um ihn zu fragen, ob er neu ist und die Sonderregeln noch nicht kennt. Ja, er ist neu. Kennt das System am Platz noch nicht. Ich erzähl es ihm und gehe zurück. Wir hätten die Plätze tauschen können, lassen es aber so ... er hätte mich quasi "abstoßen" können und so einen Reservehalteplatz mit Lademöglichkeit einnehmen können, bis der/die nächste kommt - er läßt mich später wieder vor in die Reihe, als ich von einem sehr alten Kombi abgelöst werde. Dieser "Kombi-Kollege" ist ein Vollblut-Choleriker (den auch ich heute erstmals sehe) und besteht wenig später gegenüber dem neuen Kollegen darauf, hinter mich zu fahren und somit - wieder vor diesen. Ich sehe die wilde Gestikulation des deutschen Kombi-Asis gegenüber dem jungen und ruhigen arabisch-stämmigen Kollegen im Rückspiegel und wundere mich, was da los ist und wieso der Choleriker Wellen schlägt? Früher wäre ich in einem solchen Fall sofort ausgestiegen und dazugestoßen - und ich wäre ebenfalls sehr cholerisch bzw.aggressiv geworden! Heute - habe ich keine Lust mehr, mich in jedem Fall reinzuhängen. Dennoch gehe ich wenig später nochmal zu dem "Neuen" und frage ihn, was los ist. Außerdem will ich auch wissen, ob er das "Anstell-System" erfasst hat .....
Es ist ein Mißverständnis. Der cholerische, deutsche Kombi-Asi hat ihm gegenüber darauf bestanden, mein "rechtmäßiger" Hintermann zu sein. Der junge Kollege hat nachgegeben, weil er klüger ist als der Choleriker. Und - weil er aus einer anderen Kultur kommt und ganz Anderes kennt. Eine sehr höfliche Kultur und eine, in der es noch üblich ist, daß ältere Menschen den Jüngeren ein Vorbild sind. So sagt er - dieser Mann könnte an Jahren sein Vater sein, doch er benimmt sich sehr schlecht - obwohl dieser ihm besagtes Vorbild sein könne. Ich verstehe das gut, was er meint. Und es hat etwas sehr Erdiges, etwas, was wir hier oft vergessen. Etwas, wofür ältere Menschen, die das auch leben können, sich sicher Respekt verdient haben. Hmmh ....
Gleichzeitig weiß ich, daß ich auch schon total cholerisch gegen einen muselmanischen Macho-Kollegen aufgebraust bin - worauf ich dann zu hören bekam, daß dieser in dem Ton erst gar nicht mit mir redet.
Heute - verstehe ich besser, was der "Macho" damals meinte. Ich lerne auch manchmal dazu ....Kann sogar sein, daß ich mit Mit-Menschen selten etwas Besseres gelernt habe als diese "ruhige Höflichkeit", die ich bis heute maximal als Erstklässlerin beherrsche.
Der.neue Kollege fragt mich noch im Gespräch, wie denn unser Ruf als Taxi-Menschen so sei? Nun, antworte ich, eher schlecht. Ja, sagt er. Deswegen bemüht er sich, freundlich und höflich zu sein. Ich denke bei mir, das er das von Haus aus ist - er strahlt eine entsprechende Kultur und Energie aus.
Ich - bin das alles nur, wenn ich selbst guter Dinge bin- also nicht einfach "aus Prinzip" und auch nicht aufgrund von "Kultur". Aber wenn - bin ich es auch gerne. Heute war wieder so ein Tag - an dem ich vieles war. Wortkarg, redselig, uninteressiert, zuvorkommend .... Wirklich unfreundlich - war ich nicht. Manchmal bin ich - unverbindlich. Das ist was Anderes.

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