Montag, 31. Januar 2011

Nach Kairo bitte ...

Messetango für die Limousine, kurz nach der IMM = Internationalen Möbelmesse beginnt die ISM =  Internationale Süßwarenmesse in der Kolonie.
Ich fahre nicht nur immer noch gerne die verkehrsärmeren Sonntage, sondern auch nach wie vor gerne internationales Messepublikum. Das ist einfach Business - die wollen schlicht transportiert und selten unterhalten werden.
Dennoch kann sich die ein oder andere interessante Konversation ergeben, so auch gestern.
Der hochgewachsene, gutgekleidete und insbesondere sehr höfliche Mann, der an der Messe einsteigt, setzt sich neben mich - die meisten  Business-Leute sitzen lieber hinten. Er sagt auf englisch "Nach Kairo bitte" und outet sich somit. Ich muß lachen - ein anderer Fahrgast fällt mir sofort wieder ein, der vorgab, nach Istanbul zu wollen .... Heimweh eben.
Ich sage "Sehr gerne. Aber Sie wissen schon, daß es zur Zeit dort etwas gefährlich zugehen kann?"
"Ja, das ist mir bekannt."
"Gut, dann kann es ja losgehen ....." wir lachen und er nennt mir sein Ziel in unserer beider momentanen Realität. Natürlich frage ich ihn jetzt, ob er Ägypter ist.  Ja, ist er. Wir unterhalten uns über die aktuellen Geschehnisse in seiner Heimat, er erzählt mir dies und das.
Wir sind beide in der Tat ergriffen von den Geschehnissen, er sicher auf ganz andere Weise und intensiver - dennoch sind wir beide ergriffen.
Und das ist auch, was er beschreibt, nämlich "We would never ever have imagined this !!!"  Sie hätten es sich bis vor kurzem selbst nie und nimmer ausmalen können, was gerade geschieht.
Ich erzähle ihm von einem ägyptischen Geschäftsmann, der mir vor zwei oder drei Jahren sagte, es gäbe kaum einen Ort auf der Welt, an dem ich mich sicherer und unbehelligter bewegen könne, als Ägypten, Kairo inkludiert.l Auch als westliche Frau? Ja, gerade als (westliche) Frau.
Nun sage ich zu diesem angenehmen Zeitgenossen, daß ich das auf Kuba auch kann - aber die Sicherheit ist trügerisch, denn sie basiert auf der Unterdrückung der einheimischen Menschen durch ein totalitäres Regime und auf Militärpräsenz. Er bestätigt das für Ägypten.
Er berichtet, wie beeindruckt er derzeit in Deutschland und in Europa ist über das Interesse an den Geschehnissen in Ägypten. Er habe beobachtet, wie gebannt die Menschen hier den Ereignissen dort folgen - und wie schockiert sie seien. Ich ergänze, daß ich nicht nur sehr überrascht bin, sondern auch explizit den Mut der Leute vor Ort bewundere. Und das bezieht sich ja mittlerweile auf eine sehr weitreichende Region - wer weiß, es mag sogar eine Welle geben, die noch weiter reicht, als sich jemand derzeit vorzustellen vermag.
Und wir kommen auch darin überein, daß die Menschen derzeit überall unterdrückt sind auf diesem Planeten - daher diese Faszination für das, was gerade unerwartet aus Nordafrika kommt.
Es war übrigens eine sehr kurze Fahrt - mit komprimiertem Inhalt. Eine von diesen Fahrten, nach der wir uns gegenseitig bedanken für diese kurze und dennoch intensive Begegnung - aus sehr verschiedenen Perspektiven - dennoch einig.

3 Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Verzeihung, bevor es falsch ankommt, das folgende soll ein Kompliment sein:
Das liest sich so wie: "Arbeitslose Professorin fährt Taxi"

Danke für das Teilhabenlassen!
Lieben Gruß Clara Himmelhoch

Wildgans hat gesagt…

in dem elfenbeinfarbenen auto tobt das leben der ganzen welt. geschäftsleute und psychiater mit lochkissen. wer weiß, was noch kommt. es tut gut, hier zu lesen! es rüttelt auf und reißt graue himmel auf...

Sati hat gesagt…

Danke für eure balsamischen Kommentare ... tut mir gut - Sati