Montag, 17. September 2012

Technik-Junkies

Fuhr heute ein Ersatz-Taxi. Eine der Limousinen hat einen Getriebschaden und das Getriebe ist vorerst nicht lieferbar - es gibt Lieferschwierigkeiten beim deutschen Limousinenhersteller, soso ... Fuhr also heute überrascht einen VW-Touran - der Kollege sagte mir zwar, daß  ich einen Ersatzwagen finden würde, aber nicht, daß es keine Limousine ist. Er informierte mich auch, daß das Auto keinen Navi hat - worauf ich am Telefon anmerkte "Gut, daß Du das sagst, dann nehme ich meines mit." Staunte selbst über meine Abhängigkeit ... als ich das spontan aussprach.
Habe mir so etwas mal vor geraumer Zeit angeschafft - als ich noch bei einem anderen Unternehmen fuhr, welches nur Autos ohne Navi im Pool hatte. Es wurde vorausgesetzt, daß die LenkerInnen sich ein eigenes anschaffen. Habe lange durchgehalten und fuhr lieber ohne. Fuhr allerdings auch viel Flughafen zu der Zeit - und immer öfter fragten die Fahrgäste "Wie? Haben Sie etwa kein Navi?!"  als ich in den Plan bzw. auf die Karte schaute - als sei ich rückständig.
Irgendwann - kaufte ich mir eines - am Flughafen kann das Sinn machen, falls es nach auswärts geht. Ging es - selten ... wenn, dann meist nach Bonn - und da kannte ich auch schon einiges.
Ich besitze also so etwas. Und es lag nun seit vielen Monden unbenutzt in meiner Privatlimousine ... bis heute. Überlegte auch noch kurz, ob ich es einfach weiter dort liegen lasse - und mal wieder nach "alter Manier" fahre - nämlich in erster Linie nach eigener Orientierung und ggf. mit Karte. Das eigene Hirn nutzend.
In den vergangenen Jahren habe ich mich allzu sehr an die Bequemlichkeit dieser Dinger gewöhnt - und weiß das sehr gut. Schaue viel zu oft rein, obwohl ich den Weg kenne. Schaue nach den Hausnummern - auf welchem Teilabschnitt einer Straße die liegen im Einbahnstraßen-Gewirr der Kolonie - und von wo ich genau kommen muß, um den richtigen Abschnitt zu treffen. Früher - fuhr ich halt nochmal um den Block, wenn ich mich verschätzt hatte mit den Hausnummern - ging auch - und war lerneffektiver.
Habe mich selbst beobachtet, wie oft ich an diesem Gerät "spiele" und vorab nachschaue, wo Staus sind .... hat mich früher nicht die Bohne interessiert. Alles - Gewohnheit. Und spürbar weniger Gehirn-Nutzung.
Ich nahm es aber dennoch mit - für den "potentiellen Glücksfall" einer Fernfahrt ins Ungewisse, der auch heute nicht eintrat. Einmal - habe ich eine Strasse eingegeben, die ich nicht kannte - und die hätte ich besser angesteuert, wenn ich einfach  auf den Stadtplan geschaut hätte. Der Rest - lief so. Immerhin habe ich mal mein eigenes Gerät kennengelernt.
Heute abend habe ich es dem Kollegen überlassen, der hat keins - und ich brauche es nicht in den kommenden Tagen. Auch er - und der fährt schon viel länger als ich - fühlt sich inzwischen besser, wenn er weiß, daß er sowas dabei hat.
Ich sagte noch "Da siehste mal - wie die uns drangekriegt haben mit dem Zeug! Früher haben wir sowas überhaupt nicht gebraucht."
"Ja - genauso ist es" - war seine direkte Antwort.
Wenigstens - habe ich es heute mal wieder angeworfen und gesehen - es funktioniert noch. Akku ist auch aufgeladen. Möge er es nutzen für eine schöne, weite Überlandfahrt. Und morgen früh - wird er sich erst mal wundern über die Stimme von "Werner" - die ihm etwas schwammige Anweisung auf plattdeutsch geben wird.

Keine Kommentare: