Sinngemäß lautete sie so: In Afghanistan ist in diesen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet worden, welches es den Männern dort offiziell erlaubt, Frauen zu belästigen, zu schikanieren und zu schlagen - wenn sie einen Grund dazu haben zu glauben (besser sollte mensch also sagen - ein altes Gesetz der Region wurde aktualisiert).
Hoppla - haben uns nicht Experten in den vergangenen Jahren immer wieder erzählt, daß der Einsatz dort besonders den Frauen genützt haben soll? Die dürften jetzt ohne Schleier und in Schulen gehen?
Besonders verwundert es mich nicht, daß die Herren vor Ort ihre bewährten Regeln erneuern, jetzt, wo die ungeliebten Besatzer ihren Abzug vorbereiten. Menschen können sich und ihre vielen blödsinnigen Glaubens-sätze nur aus ureigener Überzeugung und Erfahrung ändern - nicht, weil andere es ihnen aufoktruieren wollen.
Schließlich war es hier bis in die 60er bzw. 70er nicht viel besser bestellt. Und am gleichen Tage - also heute - folgte eine erneute endlose Debatte um "Frauenquoten" in Vorstandspositionen - aber es ging diesmal nicht um Afghanistan, sondern um Deutschland.
Für mich hat sich die Frage im Grunde nie gestellt, daß ich als Frau ebenso alles schaffen kann, wie irgendein Mann - sofern ich es wirklich will und mich ernsthaft reinbegebe in die Materie. Kann mich auch nicht wirklich an Männer erinnern, die mir in meiner Lernwilligkeit Begrenzungen setzen wollten, fand im Gegenteil immer eher gute Unterstützung bzw. solche, die meine Entwicklung förderten, statt mich zu blockieren. Danke, Buben! Sage ich hier mal extra flapsig - denn in diesen seltsamen Diskussionen werden junge Frauen allzu oft "Mädels" genannt - auch von den Frauen.
Persönlich habe ich also meist sehr gute Erfahrungen gemacht mit ehemaligen "direkten Vorgesetzten" und anderen Männern, die ich beruflich traf - dito mit vielen Lehrern und Meistern. Ausnahme-Arschlöcher findet mensch überall. Auch als Mann - wie ich es ebenso miterleben durfte, wenn z.B. mein "Ex-Chef" an seinem Vorgesetzen verzweifelte, weil dieser ihn bzw. unser Team permanent in unseren kreativen Ansätzen ausbremste.
Was ganz offensichtlich aus persönlicher Unsicherheit geschah - als Arroganz getarnt.
Kleine Rand-Anekdote: Als ich seinerzeit (m)einen Bürojob quittierte und zusammen mit einer anderen Kollegin eine große, lustige Abschiedsparty bis in die Morgenstunden im Firmenkeller schmiss - kam genau dieser Blocker zu mir und meinte "Ja, Frau Dingens, das tut mir ja sooo leid. Wir haben ja noch so viel mit Ihnen vorgehabt." - Worauf ich nur antwortete "Ja, Herr Dingens - das hätten sie mir vielleicht ein wenig früher mitteilen sollen, mein Eindruck war ein wenig anders geartet." Fataler, erst viele Jahre später folgenreicher Faux-Pas meinerseits auf seine Frage, was ich denn jetzt machen werde: Das wisse ich noch nicht so genau - aber schließlich hätte ich ja einen Taxischein in der Tasche, falls alle Stricke reissen. Habe sogar ein paar Jahre später nochmal in der gleichen Firma mit dem gleichen, sehr geschätzten "Chef" angefangen - nachdem mir dieser Job dreimal auf dem goldenen Tablett serviert worden war - aber ein halbes Jahr später wieder geschmissen - es war nicht wirklich erquicklich im PÜRO....
In meiner Limousinenzeit und auf dem Weg dorthin hatte ich dennoch noch einige Nüsse zu knacken mit den Herren der Schöpfung. Die Hierarchie bei "Buddhistens" und Co. ist auch nicht unalbern.
Und in meiner Limousinen-Anfangszeit, als ich wieder zurück auf der Strasse war, ohne "spirituell-verräucherte-Weltrückzugsräume", in denen ohnehin die gleichen Menschenspiele wie überall, nur auf anderer Bühne, gespielt werden - wenn mir nämlich einer von den schätzungsweise 70 Prozent muselmanischen Kollegen irgendwie quer oder gar herablassend kam. In den ersten Jahren war ich jederzeit bereit, mir ggf. eine offene Strassenschlacht zu liefern mit einem solchen Idioten. Einmal gab es eine derartige Schlacht - daß die ganze, belebte Einkaufsstrasse stillstand und die Zeit dazu
Heute - passiert mir das schon länger gar nicht mehr. Sicher, weil ich auch mehr Respekt - hier im positivsten Sinne und ganz sicher weit von jeglicher Unterwürfigkeit entfernt - gelernt habe ihnen gegenüber. Es handelte sich eh nur um wenige "Ausnahme-Arschlöcher" - und manchmal habe ich bewußt meinen Teil dazu beigetragen, daß es ordentlich krachen mußte. Inzwischen - habe ich mir soagr von vielen und überwiegend liebenswerten etwas von ihrer angenehmen Ruhe und gelassenen Höflichkeit abgeschaut. Das war ganz sicher ein wichtiger Teil meiner eigenen Lektionen auf der Limousine. Wenn es jetzt nochmal zu Differenzen kommt, weiß ich besser, wie die Gesprächskultur funktioniert und schätze dies sogar, z.B. so simple Spielregeln, daß ein Mensch erst mal dem Anderen zuhört. Eine weitere wichtige Spielregel ist - sich nicht unbedingt persönlich angegriffen zu fühlen, und schon mal gar nicht "als Frau". Dann klappt es ganz gut mit den Buben. Nicht von irgendwo liegt mein letzter diesbezüglicher "Kampf" nun schon Jahre zurück. Hätte ich mich nicht selbst in meine eigene Fallgrube stolpern lassen, hier ganz bestimmt einen "respektlosen Frauenhasser" vor mir zu haben, wäre die Resonanz auch entsprechend anders ausgefallen.
Gestern fuhr ich einen sehr geschmackvoll angezogenen jungen türkischen Mitbürger, der neben mir sitzend deutlich hörbar mit seinem silbernen Gebetskettchen klimperte. Nach wenigen Metern traf er an einer Ampel auf Bekannte und ließ die Beifahrerscheibe runter, um ein paar Sätze mit denen zu wechseln. Mir fiel die klare, laute und sonore Stimme auf, mit der er zu denen sprach, ohne diese auch nur einmal erheben zu müssen. Und auch seine Bekannten antworteten, ohne unnötig zu "rufen" - trotz lauter Strassenkulisse. Auch das - hat eine andere Qualität bzw. Kultur.
Anschließend fragte er mich, wie denn die Geschäfte laufen und ich antwortete mal diplomatisch - es könnte ein wenig runder sein
Er war auch Taxifahrer, erzählt er mir wissend und mitfühlend, fünf Jahre, bis letztes Jahr. Jetzt ist er selbstständig, betreibt einen Festsaal, für Hochzeiten und so ..... Ooohhh, sage ich, wie schön, da brummt die Bude ja! Türkische Hochzeiten sind schließlich kein Pappenstiel, sondern da wird ordentlich drauf gespart und aufgefahren. Ja - er ist zufrieden. Und froh, nicht mehr Taxi zu fahren. Ein Kumpel habe ihn vor einem Jahr angesprochen, ob er nicht einsteigen wolle, und er habe es gewagt, ohne eine Ahnung zu haben, ob es überhaupt klappen könnte. Ich merke nur an - das weiß kein Mensch vorher. Freue mich über sein gut laufendes, frisches Business und registriere, daß da in dem Salonu auch Musikkonzerte stattfinden. Schön!
Zum Abschied sage ich ihm noch, daß ich das als Inspiration mitnehmen werde heute - und in der Nacht werde ich von meinem eigenen Geschäft träumen. Er wünscht mir dazu alles Gute. Geht doch. Und so wie ich das sehe hier in der Kolonie - geht es nicht wirklich um "Integration", sondern mehr um Leben und Leben lassen - innerhalb und inmitten der vielen verschiedenen Kulturen hier.
Wobei dieser junge Mann ohnehin beide Kulturen in sich trägt und lebt - und er ist damit einer von sehr vielen.

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