... fuhr ich heute. In der City stiegen sie ein, zu zwein, aber sprechen
sprach - überwiegend - nur Sie. Und nicht zu knapp. Sie wollten ins
alte Villenviertel der Kolonie - und ich bekam von Ihr exakte
Anweisungen zur Wegstrecke, zwischendurch eingeworfen in unermüdliches
lautes und hektisches Geplärre. Der Mann saß neben mir, war wohl ein
langjähriger Freund des Hauses. Sie - hinter ihm. Quakquakquak ....
Beide älter - sowas um die bzw. in die 70 hinein. "Schick anjedonn" (gut
gekleidet) - wie ich schon von Weitem sah, als sie auf mich zukamen.
Sie zu ihm "Findest Du etwa auch, daß ich in Schwarz langweilig
aussehe?!?" Findet er natürlich nicht - er ist ja vermutlich kein
Selbstmörder - und schließlich wären da ja so hübsche Steinchen und
sowas auf ihrem schwarzen Gewand - die das Ganze aufpeppen würden. Ich
höre mal wieder mehr - als ich möchte. Fahre zwischen klaren, strengen
Ansagen (ich kenne den Weg zwar - aber gegenüber einer derartigen Dame -
muß mensch keine Energie auf solche Erläuterungen verschwenden ...) -
und höre mit, wer gerade welche Milliarden verschoben hat, wer wieviele
Anteile von was hält, wer wen demnächst zu welchem Fest eingeladen hat,
wer von wo anreist über den kompletten Erdball und wer wo was gerade tut
dort. Wer mit wem kann - und wer nicht. Wer sich unmöglich benommen
hat. Was man nicht tut - weil sowas nur "Proleten" tun. Der Spruch mit
den "Proleten" kommt ausnahmsweise von Ihm. Ein alter Mann - aber die
Fassade soll es verdecken.
Die Dame richtet wohl gerade eine Hochzeitsfeierlichkeit aus - und der
Freund des Hauses solle unter gar keinen Umständen die Tischkärtchen
verschieben gleich. Sie fragt ihn nach seiner aktuellen Freundin - er
hätte ja soviele Frauen, da käme man ganz durcheinander - nein, diese
wäre doch schon seit fast zwei Jahren aktuell. Ich schaue einmal an der
Ampel zur Seite - und denke lieber nichts.
Bin ganz froh - über den Abschied am Ziel. Das war eine rechte Lawine
... besonders in Sachen "Who´s who?" So wie ich das empfinde - ist da
niemand wer wirklich. Aber es gibt viele Rollenspiele. Und sehr viele
Äußerlichkeiten.
Für die zehn bis fünfzehn Minuten "Reise" vielleicht ganz interessant - aber wie steht man so ein ganzes Leben durch?
Sie - entschuldigt sich am Ziel für ihr unhöfliches Benehmen - huch. Ich meine - ich habe das nicht so empfunden.
Die ist einfach so. Hat vermutlich auch Personal im Hause. Und -
delegieren kann sie offenbar. Kochen oder sonstwas Brauchbares - eher
nicht.
Ich - lande an einem Halteplatz. an dem ich für eine Stunde in seelige
Trance falle - und diesen Film verdaue. Entgegen der eher bescheidenen
Lebensumstände der vergangenen Jahre - feuer ich - selbst überrascht - eine sehr
hochdimensionerte Wunschrakete ins Bodenlose ab - habe genug Boden, um
diese zu meistern, wenn sie zu mir zurückkommt.
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