Ließ die "Tortur" in vertrauten Händen etwa zweineinhalb Stunden über mich ergehen - und flüchtete dann, wie immer, mit noch nassem Haar. Die kennen mich - und nehmen´s nicht persönlich. Auch aus reiner Faulheit, meine Friseur-Neurose und simplen Wünsche einem mir noch fremden Menschen hier im Vorland zu erklären - machte ich nochmal spontan neulich diesen Termin mit der mir bekannten "Behandlerin", der ich nichts erzählen muß.
Werde das aber nicht mehr wiederholen. Lieber - mich nochmal hier um die Ecke kurz erklären beim nächsten Mal. Die Kolonie - ist für mich derart überlebt, wie ich heute nochmal merkte, daß ich privat tatsächlich gar nicht mehr dort hinfahren möchte. Im Gegenteil - war froh, endlich wieder rauszukommen, wie jeden Abend nach einer abgerissenen Schicht.
Das Viertel, in dem ich einst aufwuchs - ist heute "tot". Über 80 % all dieser ehemaligen, kleinen, doch einst sehr belebten Einzelhandels- Geschäfte in dem "Block" - wie man das früher mal nannte - stehen leer und sind zur Vermietung angeboten. Ein Kiosk, eine Spielhölle, ein Sonnenstudio und ein Bäcker proben sich noch im Überleben.
Und eine selten gewordene, ältere Dame führt immer noch - seit mindestens 49 Jahren, die ich nun auf dem Planeten weile - ein kleines Schreibwaren-Geschäft. Seltenes Relikt aus Kindertagen. Ebenso, wie die eine einstige, temperamentvolle Freundin meiner Schwester aus deren Jugendzeit, die ich als Kind heiß und innig liebte, weil sie nie die Schnauze halten konnte, wenn irgendwo etwas im Argen war, und die einmal die pralle Fahrgastbesetzung in einem Linienbus auf meinem Schulweg wegen einer eben passierten Ungerechtigkeit sehr laut aufgescheucht hat, völlig schamlos und völlig zu Recht, in noch sehr biederen Zeiten, als es weit und breit noch keine Nina Hagen gab, und überhaupt war sie viel schöner als diese - und die ich nun schon zweimal mit der Limousine fuhr, weil sie immer noch dort bzw. jetzt im einstigen Elternhaus wohnt.
Aber auch die anderen Viertel - sind längst überlebt. Und diese berstende Stadt-Energie - scheint - nun endlich und wirklich - nicht mehr für mich zu sein. Den Göttern sei Dank. Immer wieder ....
Das Bild, das mich jedesmal bei meiner frohen Herausfahrt begleitet - ist eines von Millionen ratternder Verstände - alle rattern wild und durcheinander - und je weiter ich mich entferne, desto ruhiger wird der meine.
Die paar "Verstände", die hier in der Siedlung rattern - sind ein Kindelspiel. Sogar die manchmal grölenden KeglerInnen unten am Abend ... die ich seit dem Herbst ohnehin kaum noch wahrnehme.
Irgendeiner von den Nachbarn - hatte bereits einen Teil meiner dieswöchigen "Liebes- Arbeit" verrichtet und die Mülltonnen an ihre Stelle zurückplaziert. Fein.
Schön, wieder "zuhause" zu sein.
Ein Fahrgast aus dem Allgäu von neulich fiel mir ein - der war sehr erdig und bodenständig, wir hatten eine sehr angenehme Fahrt zusammen und bedankten uns beim Abschied gegenseitig für diese. Irgendwo auf dem Weg meinte er - er könnte nicht in so einer Großstadt leben, das würde ihn wahnsinnig machen. Ja - sage ich - ich auch nicht mehr, zum Glück! Er erzählte ein wenig von seiner Heimat und seinem Leben - und ich freute mich mit über soviel Zufriedenheit.
Einer der Umzugsengel fiel mir öfter nochmal ein in diesem Herbst bzw. sein Satz "Du mußt den Winter abwarten. Wenn Du den Winter hier gut überstehst, dann ist es auch ein guter Ort für Dich."
Es sieht mir ganz danach aus. Danke.

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